„I’ll rise up and be your voice
I made my choice.
This is my story.
Your songs are stored inside my heart
So break me apart
It’s for your glory.
Let it pour out of me.
Let it pour out of me.
It’s for your glory.“

– Hayden Panettiere, Nashville

(Bitte erst das Lied hören und dann weiterlesen.)

Letztes bekam ich folgenden Kommentar von einer Leserin unter das Schwangerschaftsupdate:

Liebe Katharina.
Ich bin froh, dass mit dem Baby bisher alles passt, bin aber traurig, dass es für Dich offiziell Baby Nr. 4 ist.
Du hast offen über Deinen Verlust berichtet. Dann wäre es auch ehrlich über die 4. Schwangeschaft, beim 5. Kind zu berichten.

Liebe Grüße und alles Gute!

schwanger nach Fehlgeburt und nun, wie nenne ich das baby

Warum Baby #4 hier auf dem Blog Baby #4 ist und nicht Baby #5

Rein rechnerisch ist es die 4. Schwangerschaft mit dem 5. Baby. Also kann man als akkurater Leser sagen „das müsste doch Baby Nr.5 sein“. Ist es aber für mich nicht. Es ist für mich die 4. Schwangerschaft mit vorraussichtlich unserem 4. Kind. Außerdem hatte ich 1 Fehlgeburt mit einem, leider verstorbenen, Kind. Das ist für mich völlig getrennt.
Zwei verschiedene paar Schuhe, auch weil ich mit den Kindern oder vor Fremden/Bekannten, nicht ständig über das „was wäre gewesen wenn“ Kind reden möchte. Ich glaube für mich dass ich die Fehlgeburt gut verarbeitet habe. Es ist kein Thema das ich verschweige, aber eben auch keins das ich beim Kaffeeklatsch auf den Tisch legen würde. Und das tut man ja eigentlich immer, wenn man sagt: Das ist jetzt meine 4. Schwangerschaft mit unserem 5. Kind und nur 3 Kinder springen quicklebendig um den Kaffeetisch. Es gibt einfach Dinge die möchte ich nicht immer wieder und wieder erklären müssen.
Man stelle sich die Situation mal anders vor. Gesellige Runde, alle lachen, knabbern Kekse und jemand sagt: „Ach meine kleine Schwester hat letztens…“ und jemand anderes sagt „also meine Schwester hat sich ja das Leben genommen“. BÄMM Elephant in the Room. Stimmung im Eimer. Da kann man nicht weitermachen wie vor diesem Satz. „Noch ein Butterplätzchen?“ wirkt da nämlich etwas deplatziert. Also keine Butterplätzchen mehr, sondern betretenes Schweigen.
Genau das gleiche wäre es doch, wenn man (ob der Ehrlichkeit halber) sagt: „Also das ist unser fünftes Kind, das letzte ist ja gestorben“. BÄMM. Stimmung im Eimer.
Daher ist es einfacher und harmonischer für alle 4/4 zu sagen. Kluge Köpfe sehen doch eh das wir Zwillinge haben. Aber auf dem Silbertablett will ich „mein Baby und meine Fehlgeburt und meine Emotionen dazu“ eben nicht überall zum Thema machen. Wer auf dem Blog liest, weiß entweder dass es die Fehlgeburt gab oder kann sich recht easy einlesen. Oder auch nicht. Es will ja auch gar nicht jeder „sowas“ lesen und das ist auch okay. Ich finde auch Tierversuche schrecklich, trotzdem muss ich mir nicht „für die Ehrlichkeit“ Dokus zu dem Thema reinziehen.

I’ll rise up and be your voice

Generell glaube ich dass dieses „Zählthema“ bei vielen Familien (gut, vermutlich wieder nur bei den Müttern) ein Thema ist. Anna Saccone-Joly (eine in England und Amerika sehr bekannte Youtuberin mit einer frühen Fehlgeburt im April 16) wird auch ständig dafür angegangen dass sie eben von ihrem jetzigen Kind als Kind 3 spricht statt als Kind 4.
Rein rechnerisch ist das ja auch alles korrekt, aber mitten drin ist es für jede Familie anders, denke ich. Bei den einen ist das verlorene Kind immer und ständig ein pregnanter Teil der Familie (es gibt vielleicht einen konkreten Ort der Trauer, einen symbolischen Ort oder sogar eine Eintragung in den Stammbaum) für andere Familien ist das anders. Jeder verarbeitet sowas ja auch anders und jeder darf anders zählen, finde ich.
Auch wenn mein Weg, unser Weg als Familie, unsere Trauer und „Auferstehung aus der Asche“ vielleicht nicht der eurige Weg ist, bitte ich euch tolerant zu sein. Ich urteile nicht darüber, wenn ihr Ultraschallfotos gerahmt im Wohnzimmer stehen habt, wenn ihr Kerzen anzündet oder eben anders trauert und verarbeitet als ich, als wir es getan haben. Ich würde mir nie anmaßen jemandem zu sagen er oder sie solle doch bitte ehrlich zu sich sein, wenn die einzige „Wahrheit“ die ist, dass ich nicht nachvollziehen kann, dass meine Wahrheit und meine Gefühle nicht von jemand anderem genau so empfunden  werden wie von mir.
Vergessen wird das verlorene Kind nie, egal wie oder ob man es nennt. Es ist ja im Herzen. Your songs are stored inside my heart.
xo,
Katarina