6 Fragen an… eine Erzieherin

Ich habe grade gestern in dem örtlichen Käseblatt darüber gelesen, das in der Nachbargemeinde jetzt FSJler (Freiwilliges soziales Jahr) aufgerufen werden, ihr Jahr in einem Kindergarten zu leisten. Unter dem Artikel ein Foto von niedlichen Kindern mit der Bildunterschrift: „Die Arbeit mit Kindern macht ALLEN IMMER Spass“.

Ich verschluckte mich vor lachen an meinem Kaffee, denn nicht mal Eltern (sind wir doch mal ehrlich!) macht es mit ihren EIGENEN Kindern IMMER Spaß. Und wir als Eltern sind genetisch darauf programmiert den eigenen Nachwuchs super niedlich und zuckersüß zu finden. (Was er ja auch meistens ist.) Wenn ich da an meine Zeit als Kinderanimateur in einem Kinderferienclub denke, dann gab es da doch einige Kinder bei denen man froh war, dass die Eltern sie irgendwann wieder abholten. ALLEN – IMMER. Mir kommen noch immer die Lachtränen. Zeit eine Erzieherin mal zu fragen, ob man morgens aufwacht und denkt „Lass mal Erzieherin werden!“.

Hallo Sigrid, wie bist Du auf die Idee gekommen, das beruflich zu machen, was Du machst?

Ich bin Erzieherin geworden, obwohl ich das nicht wollte, denn meine 14 Monate ältere Schwester ist auch Erzieherin. Ich wollte mich eigentlich deutlich von ihr unterscheiden. Leider hatte ich bis zu meinem letzten Schultag auf der Hauswirtschaftsschule, die ich zwischendurch für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau abgebrochen hatte (die Ausbildung nach 2 Monaten auch!) keinen Plan, wie meine Zukunft aussehen sollte! Ich kam beim Bummeln durch die Strassen, um über meine ungewisse Zukunft nachzudenken 😉 an einen Kindergarten und ging hinein, um dort nach einer Praktikumsstelle zu fragen.

Es waren „nur“ Kinder zu sehen, keine Betreuungspersonen. Ich stand unschlüssig herum, bis die Kinder mich bemerkten und mich fragten, ob ich mit ihnen spielen könnte. Wir spielten „Dornröschen“. Dabei hat mich eine Erzieherin beobachtet. Kurz und gut: ich bekam die Praktikumsstelle noch an diesemTaq, musste nur noch der Form halber eine Bewerbung abgeben! Ich war 17 Jahre alt und verdiente 120 DM im Monat. Dafür musste ich sehr viel leisten, denn der Kindergarten war eine Privatinitiative, hauptsächlich von akademischen Eltern. Es war das beste Jahr meines bisherigen Lebens und ich habe sehr viel gelernt! So begann meine Ausbildung zur Erzieherin!

Kleinkinder spielen mit Bauklötzen

Wie wird man Erzieherin?

– Vorpraktikum in einer Einrichtung
– 2jährige Fachschule für Sozialpädagogik mit Abschluss Fachhochschulreife
– Anerkennungsjahr in einer Einrichtung
– Abschlussprüfung mit Erlangung eines Diploms als staatl. geprüfte Erzieherin

Welche Fragen werden dir im Job am häufigsten gestellt?

Mittlerweile arbeite ich (nach div. Zwischenstationen, auch berufsfremd), seit 14 Jahren in der Behindertenhilfe und seit 4 Jahren zusätzlich in der Wohnungslosen. und Suchtkrankenhilfe.

Die Fragen sind so unterschiedlich, jeden Tag anders, je nach Bewohner oder Klient. Im Moment habe ich allerdings einen Klienten, der entweder an Alzheimer oder Demenz leidet und mich jeden Morgen fragt: „Ist heute Arbeitstag?“ 😉

Was hat Dich als Mutter am Kinderhaben am meisten überrascht?

Mich hat am meisten überrascht, dass ich im 1. Jahr mit Kind total unglücklich und teilweise überfordert war!!! Und das, obwohl ich selbst 6 Geschwister habe!! Ich wollte alles gut machen und bin schnell an meine Grenzen gekommen! Und ich hatte das Gefühl totalen Versagens, weil ich das nicht hinbekommen habe! Es war schrecklich!!!

Was ist Dein absolutes Must-have für Mütter?

Mein absolutes Must-have für Mütter ist ein gutes soziales Netzwerk!!! Mütter brauchen Unterstützung, egal, ob von ihren eigenen Müttern oder Grossmüttern oder Freundinnen oder wem auch immer!!! Und wenn es nur zum Austausch dient, jemand einfach mal das Baby trägt, wenn die Mutter nicht mehr kann, mal heulen muss, duschen will, jemand zum Reden braucht… Ich war total alleine in einer fremden Stadt, mit einem noch ziemlich fremden Ehemann und ohne Freunde! Es war der Horror!!!

Welchen Tipp möchtest du Eltern auf den Weg geben?

Lasst Euch Zeit mit dem Kinderwunsch, lebt Euer Leben und wartet, bis es einfach passiert. Denn dann ist genau der richtige Moment!!! Geht es völlig entspannt an und schafft Euch vorher ein gutes soziales Netzwerk!!! Mein Sohn ist mein grösstes Glück, vom 1. Tag an und das sollten Kinder für alle Eltern sein!

 

Vielen Dank das ich mehr über deinen Weg zu deinem Beruf erfahren durfte, liebe Sigrid!

6 Fragen an…

eine Frau bei der Bundeswehr.

…. eine Polizistin.

eine Kinderbuchautorin.

eine Fitnesstrainerin.

 

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By |2017-06-25T17:01:45+00:002. Mai 2017|Categories: Interviews|3 Comments
Blogprinzessin ist der Blog mit nordischem Schnack. Ich berichte hier, ohne mich selbst zu Ernst zu nehmen, über meinen Alltag als Mama von 4 Kindern zwischen 6 und 1 Jahr(en).Virtuell bin ich zu finden auf Twitter, Instagram, Facebook und auf Pinterest. Erfahre mehr über mich

3 Comments

  1. Sari am 3. Mai 2017 um 09:36 Uhr - Antworten

    Bei mir waren die Vorraussetzungen für die Ausbildung in Berlin bereits anders. Anerkennungsjahr gibt es nicht mehr. Inzwischen wird auch Abitur erwartet. Weiß nicht, ob das überall so ist.

    • Katarina am 3. Mai 2017 um 10:39 Uhr - Antworten

      Huhu Sari, ich kann mir gut vorstellen das die Vorraussetzungen überall anders sind. Kindergarten fällt ja unter Bildung und somit ist das Ländersache. ????

      Liebe Grüße,
      Katarina

  2. Inga - Mama in Hamburg am 4. Mai 2017 um 20:43 Uhr - Antworten

    Mittlerweile gibt es da zwei Wege: Wer keine FH-Reife bzw kein Abitur hat, macht zunächst eine zweijährige Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin und danach die dreijährige Erzieherausbildung. Wer FH-Reife oder Abitur hat, kann direkt die dreijährige Erzieherausbildung beginnen. Praktika sind integriert, das Anerkennungsjahr gibt es nicht mehr.

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