WIR HABEN DAS ALLES SO RAUS MIT DEM ERWACHSENENLEBEN

Lesezeit: 4 Minuten

Dieser spezielle Donnerstag, von dem ich euch heute erzählen werde, fing eigentlich gar nicht anders an als andere Donnerstage. Die Kinder weckten mich, als die ersten Sonnenstrahlen auf ihre Schlafstätten fielen. Im übertragenen Sinne, denn wir haben ein Verdunkelungsrollo im Schlafzimmer. Ich wälzte mich unwirsch von einer Seite auf die andere und murmelte so etwas wie „ich mag noch nicht aufstehen“ oder „nur noch 50 Min“! Nach einem 5 minütigen Kampf gab ich auf, und wir gingen alle nach unten.

Tapps-tapps-tapps die Treppe hinunter und taps-taps-taps durch den Flur. Die Kinder aßen wie immer ihr Müsli mit Milch, ich setzte Kaffee auf, die Uhr an der Wand tickte. Dann schaltete ich das Radio ein.

„Guten Morgen! Heute ist der 25. Mai! Vatertag! Haben Sie auch schon ihren Bollerwagen dabei?“, kreischt der Radiomoderator euphorisch aus den Boxen.

„Nee“, dachte ich, und auch mein Mann war nicht mit dem Bollerwagen unterwegs. Wann sollte er den denn ziehen, zwischen zwei Nachtdiensten? „Na liebe Väter? Schon das Bierchen gekühlt? Wir feiern heute dass WIR Väter sind“, unterbrach der Radiomoderator meine Gedanken. Mal eben angesäuselt zum Dienst kommen ist nicht drin. Vielleicht sieht das der kreischende Radiomann anders, vielleicht war der ja heute morgen mit dem Bollerwagen und dem gekühlten Bierchen zum Studio gelaufen.  Entnervt schaltete ich das Radio wieder aus.

Die Kinder waren inzwischen mit dem Frühstück fertig und gingen sich anziehen. Dann kam Marc durch die Haustür. Wie immer ein bisschen geschafft, aber grundsätzlich motiviert und gut gelaunt. Wie er das mit den Nachtdiensten schafft, ich weiß es nicht und ziehe jeden Tag meinen Hut. Wir setzten uns beide an den Frühstückstisch, tranken Kaffee, ich blätterte in der Dorfzeitung und schaute auf die Uhr. 11:30 Uhr. Da konnte ich ja eigentlich schonmal mit dem Mittagessen anfangen. Marc verkrümelte sich ins Bett, die Kinder spielten im Spielzimmer.

Das Essen blubberte vor sich hin, dank des Themomixes musste ich auch nicht viel machen, und daher beschloss ich, jetzt kurz unter die Dusche zu springen. Gesagt getan. Das warme Wasser prasselte auf mich nieder, ich schloss die Augen, atme tief ein und aus, Entspannung setzte ein.

KLINGEL KLINGEL KLINGEL schrie mein Handy aufmerksamkeitshaschend.

„Nein, sorry“ antworte ich meinem Telefon, aber ich war jetzt unter der Dusche. „Hoffentlich ist es Jessica, die kann ich einfach zurückrufen und die ist auch nicht böse, wenn sie mich erstmal nicht erreicht“, dachte ich weiter und spülte das Shampoo aus den Haaren. Es folgt das übliche: aus der Dusche steigen, abtrocknen, anzieh-… okay ein Handtuch tat es erstmal auch, denn jetzt war ich schon gespannt wer da angerufen hatte. Ich nahm mein Handy in die Hand, wischte den Sperrbildschirm weg und erstarrte.

„1 verpasster Anruf, Omi und Opi aus Berlin“

Ich wurde bleich.

Ich klammerte mich an der Arbeitsplatte fest.

Meine Beine gaben nach.

Mit zittriger Stimme krächzte ich: „MOTTIIIIIIIIII!!!! DU MUSST UNBEDINGT PAPA WECKEN!“

Es gibt nämlich nur einen Moment in dem meine wunderbaren Schwiegereltern mich auf dem Handy anrufen: Wenn sie grade von der Autobahn abgefahren sind, und noch 30 Min bis zu uns brauchen. Und offenbar hatten sie das vor 10 Minuten versucht.

„MOTTI! GEH BITTE PAPA WECKEN! ICH BIN NACKT!!!!!“

Das liebe Mottilein verschwand in Richtung Schlafzimmer, und ich trocknete mich in Windeseile ab, sprang in meine Kleidung und stürzte die Treppe hoch. Noch auf halber Strecke rief ich: „Schaaaahaaatz!! Wie warscheinlich ist es, dass wenn heute Feiertag ist, deine Eltern nicht erst morgen sondern schon heute kommen?“ Keuchend blieb ich am Treppenabsatz stehen, und sah dass mein Mann schon in Straßenkleidung dastand.

Mann mit Handy

„Mich haben sie auch angerufen, weil sie dich ja nicht erreicht haben“, sagte er.

„Was haben sie gesagt“, fragte ich, immer noch atemlos. Das Wasser aus meinen dürftig abgetrockneten Haaren tropfte mir in den Nacken. Platsch-platsch-platsch.

„Dass sie im Stau stehen und nicht wissen wie lange es noch dauert“, antwortete Marc.

Okay, also alles was wir eigentlich heute entspannt besuchsputzen wollten musste jetzt im Turbomodus erledigt werden. Während der Mann und ich die Treppe runterstürzten, kratzte sich Motti verwirrt am Kopf. Die Erwachsenen waren offenbar verrückt geworden. Kinder mit Strumpfhosen auf dem Kopf

Während Marc die Küche übernahm, startete ich im Badezimmer. Danach das Wohnzimmer, das Kinderzimmer. Die Kinder waren etwas verwirrt, räumten aber bereitwillig das Spielzimmer auf. Dann nur noch überall saugen, ein bisschen Wäsche verräumen, durchwischen und die Fenster…ach, die mussten warten, Prioritäten. Nach etwa einer Stunde blitzte und blinkte die Bude, ich sah mit Schminke im Gesicht halbwegs wieder aus wie ein Mensch, und die Kinder waren fleckenfrei angezogen. Grade als ich im oberen Badezimmer fertig war, fuhr das Auto von Opi und Omi auf den Hof.

Marc begrüßte seine Eltern, die Kinder standen quasi Spalier und ich dachte: WIR HABEN DAS ALLES SO RAUS MIT DEM ERWACHSENENLEBEN. WIR WÜRDEN NIE VERGESSEN WANN OMI UND OPI ANREISEN. NIEMALS!

Heimlich, als keiner schaute, gaben Marc und ich uns einen High Five. Wir haben unser Leben total im Griff, und natürlich sieht es bei uns immer so aus…

…wenn Besuch kommt.

xoxox,

Katarina

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By |2017-07-17T16:09:45+00:0021. Juni 2017|Categories: Familienleben|Tags: |17 Comments

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

17 Comments

  1. Naddel am 21. Juni 2017 um 20:50 Uhr - Antworten

    Hahahahaha ihr seid so genial
    Meine Kleine kam spontan eine Woche zu früh und selbst frisch entbunden schafft man in 24 h einen ganzes Haus sauber aufzuräumen wenn nächsten Tag die eigene Mutter vor der Tür steht ????

  2. Anna am 21. Juni 2017 um 20:52 Uhr - Antworten

    Haha, herzlich gelacht!! Genau so ist es. Aber pssst: ich glaub Oma & Opa wissen insgeheim dass wir kurz vorher hektisch putzen ????

  3. Olga am 21. Juni 2017 um 21:13 Uhr - Antworten

    Ich hab grad laut los gelacht, als ich deine Story so las…
    Haargenau so läuft’s bei uns auch ab, wenn sich spontaner Besuch ankündigt.
    Da schafft man plötzlich in 20min mehr, als am Rest der Woche… 😉

    LG,Olga

    • Katarina am 22. Juni 2017 um 15:09 Uhr - Antworten

      Weil man „muss“. Sonst kann man das ja immer auf die lange Bank legen, oder man drückt sich einfach davor. XD

  4. Beate am 21. Juni 2017 um 21:16 Uhr - Antworten

    Hier genauso, ich vergesse zwar nicht das Anreisedatum aber unter Streß Putz ich am besten.

  5. Theres am 21. Juni 2017 um 21:27 Uhr - Antworten

    Toll, zum Kreischen! Besuchsputzen, dafür hatte ich bisher keine Begriff. Nun hab ich ihn. Morgen ist hier Offiziellputzen – der Mann von den Statdwerken inspiziert den Wäschekeller für einen neuen Anschluss. Dsvor muss ich gefühlte 1000 Ladungen Wäsche entfernen und vom Hauseingang bis zum Wäschekeller ein halbwegs sauberes Haus vorweisen. Ich mags nicht unordentlich – kommt aber mit Kindern vor …

  6. Carina am 21. Juni 2017 um 21:59 Uhr - Antworten

    Zu geil????, bei uns sind es aber meine Eltern???????? und da haben wir dNn höchstens 10 min zeit, da sie nur ein Dorf weiter wohnen.
    Ich bin immer im entspannt modus wenn meine beste Freundin kommt, da ist es egal ob iwo noch was rumliegt oder ob man ala Mombie vorzeigbar ist????.

    • Katarina am 22. Juni 2017 um 00:11 Uhr - Antworten

      Oh ja, solche Freundinnen haben wir zum Glück auch. Die bei denen es echt egal ist. Die sind gold wert!

  7. Kathrin am 21. Juni 2017 um 22:13 Uhr - Antworten

    You Made my day!! ! Herrlich!! !!

  8. Eva W. am 21. Juni 2017 um 22:49 Uhr - Antworten

    Meine Tochter meinte einmal zu mir: „Mama du machst immer sauber, wenn Besuch kommt.“
    – Ööhhmm, jaa?! ????

  9. Julia am 22. Juni 2017 um 11:43 Uhr - Antworten

    Das kommt mir sooo bekannt vor.

  10. Alina am 22. Juni 2017 um 14:18 Uhr - Antworten

    Einfach nur ein gelungener Artikel!
    Brüllend gelacht, ich danke Dir, meine Liebe!

    • Katarina am 22. Juni 2017 um 15:08 Uhr - Antworten

      Danke Alina,
      wir haben Abends mit den Schwiegereltern auch herzhaft gelacht.

  11. Mamamulle am 25. Juni 2017 um 15:58 Uhr - Antworten

    Hahaha, wie bei uns. Original!

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