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Stell dir folgendes vor

Uaaaah. So könnte ich tatsächlich aktuell jeden Beitrag anfangen, denn die Tage rasen nur so an mir vorbei. Bei jedem „Ich melde mich ganz schnell bei dir“ drehe ich mich einmal im Kreis und, schwupps, sind wieder drei Wochen um und ratet mal, bei wem ich mich NICHT gemeldet habe. Richtig. Es geht mir auf den Keks, und ich weiß auch gar nicht was ich eigentlich genau dagegen machen kann. Ist das jetzt immer so? Ist es mit vier kleinen Kindern einfach immer und durchgehend megastressig? Oder ist das noch immer diese Phase des Ankommens, in der wir uns alle neu orientieren und erstmal einfinden müssen? Ich weiß es tatsächlich nicht. Ich weiß nur, dass am Ende des Tages immer zu viel Wäsche, zu viel Haushalt, und vor allem zu viel Arbeit übrig ist.

Ikea Stuhl tajrne, klappstuhl

Schnauf. Seufz.

Einerseits komme ich irgendwie zu nichts, und andererseits passiert trotzdem nichts spektakuläres. Ich jogge nicht mehr in Puschen dem Müllauto hinterher (nee, das hat heute aber Marc gemacht!) und ich kann mich auch nicht jeden Tag über blöde Menschen aufregen. Auch kommen leider meine Schwiegereltern nicht jede Woche „überraschend“ zu Besuch. Mein Leben ist einfach keine Comedyshow, die man auf Kommando einschalten kann wenn einem gerade langweilig ist. Vielleicht muss ich das einfach akzeptieren, und nicht weiter der Zeit nachtrauern in der mir ein superduper Artikel nach dem anderen aus den Fingern geflossen ist.

Manchmal stelle ich mir folgendes vor: Es ist das Jahr 2017, die Sonne scheint mal wieder nicht. Denn wir sind ja in Hamburg und nicht in Haiti. Eine Frau stapft durch den Nieselregen, vor ihren Bauch hat sie einen Plüschdinosaurier in eine Babytrage geschnallt. Hinter ihr trotten drei kleine Mädchen her, die in einer Tour plappern und heute Morgen weder Lust auf Haarebürsten noch auf Zöpfe hatten. Die Frau hatte mal eine Frisur, weil sie damals, vor den Kindern, Zeit hatte zum Friseur zu gehen. Inzwischen nennt sie das auf ihrem Kopf „Bloggerdutt“ und eigentlich ist es nur ein trauriger Versuch darüber hinwegzutäuschen, dass sie seit Jahren in der Theorie zum Friseur geht.

Gerade als diese Frau ihre Barfussschuhe aus einer Pfütze zieht und sich freut dass immerhin das Make-up, also genaugenommen die Wimperntusche aus dem Drogeriemarkt (die günstige), hält, gerade in diesem Moment fährt ihr ein Windstoß durch die Haare, selbige verkleben in ihrem Gesicht und hinterlassen schwarze Make-Up Schlieren, und wieder einmal denkt sie: „Ich werde nie so geleckt aussehen wie die ERFOLGREICHEN Blogger auf Instagram“.

Dann schaut sie auf, tritt an den Straßenrand, nimmt die bunten aber latent dreckigen pfützenspringnassen Kinder an die Hand und überquert die Straße. Ein Kind mault, eins stolpert fast, das nächste tritt so in das Wasser welches sich vor dem Rinnstein gesammelt hat dass jetzt auch die Jeans unserer Protagonistin dreckig ist. Na super, denkt sie und schaut an einer grauen Häuserwand hoch, in den grauen Nieselregenhimmel. Die Achtundvierzig. Hier müssen wir also rein.

Das versiffte Türschloss öffnet sich mit einem Schnapp-schlurp umd gibt den Weg frei in einen Flur der offenbar früher einmal schön gewesen ist. Braun-gelbe gesprungene Fliesen zieren die Wände. „Fasst bloß nichts an, wir wollen nicht krank werden“, raunt die Frau den Kindern zu und drückt den Plüschdinosaurier in der Babytrage an sich. Die Tür fällt ins Schloss, es wird dunkel im Flur. „Mama? Müssen wir da hingehen?“, fragt das älteste Mädchen der Kindergruppe. „Ja“, antwortet die Frau. „Das muss sein. Das haben die Leser angeordnet. 2x die Woche ab heute.“  „Na gut“, sagt das Mädchen, nicht ganz überzeugt. Sie laufen los in den dritten Stock.

Dort öffnet sich eine Tür, nur einen Spaltbreit versteht sich, ein bisschen Licht fällt in den Flur und versickert in der schmutzigen Fußmatte. „Wer sind denn Sie? EINE VON DENEN?“, raunzt ein Mann der Frau entgegen. „Ja“, murmelt diese. „Eine von denen….“ „Na dann kommen Sie mal rein, Püppchen, und die Kinder sollen ja die Schuhe ausziehen!“

Das nasse, schmutzige Grüppchen betritt die Wohnung, auch hier ist alles in die Jahre gekommen. Auf dem Tisch im Flur liegt ein altes iPhone 6, das nutz heute ja keiner mehr, man hat das 8er vorbestellt. „Klar“, denkt sich die Frau, „der Fortschritt ist nicht aufzuhalten“. „Da hinten links“, sagt der Mann und stapft in seinen Bio-Dinkel-Latschen voran.

Da hinten links ist ein kleiner schmuckloser Raum mit einem Stuhlkreis. An einer Wand hat jemand eine Kaffeemaschine eingestöpselt, natürlich eine alte mit Alukapselkaffee. Hatte wohl noch einer der Kursteilnehmer im Keller stehen. Für die Kinder gibt es eine Spielecke mit kleinen Waschmittelflaschen, schliesslich kann man diese ja in alles einbauen und sogar damit kuscheln. Oder konnte man. Damals.

Die Frau schaut schüchtern in die Runde. Fünf Frauen, zwei Männer, zehn Kinder, vier davon die eigenen. Dann holt sie Luft:

„Hallo, mein Name ist Katarina, und mein Leben ist offiziell langweilig. Ich bin so mittelalt, komme nicht mehr besonders viel raus, zum Feiern schon mal gar nicht, und die meisten Abende schlafe ich noch vor dem Baby auf der Couch ein. Ich mag Mode, aber nicht genug um damit seitenweise einen Blog zu füllen. Ich mache keine superteuren Urlaube in FarAwayLand, von denen ich berichten könnte, und teure Designermöbel machen bei uns keinen Sinn. Über die kann ich also auch nicht bloggen. Wir basteln, aber eher so wie die Kollegin Rike und ihre Kinder. Also das bekannte Basteln für die Tonne. Hat jemand einen Kaffee für mich?“

„Willkommen bei ‚Langweilige Blogger Anonymous‘, Katarina.“

Stößchen.

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By | 2017-10-05T20:24:52+00:00 5. Oktober 2017|Categories: Ich schreibe|Tags: , |9 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

9 Kommentare

  1. Anne am 5. Oktober 2017 um 20:43 Uhr- Antworten

    Das mit dem Zeit verfliegen kenne ich. Ich habe zwar nur zwei Kinder (4 Jahre und 6 Wochen) aber dennoch komme ich zu kaum etwas von dem was ich mir vorgenommen habe. Beim ersten Blick auf die Uhr ist es 9.30 Uhr und beim zweiten 17.30 Uhr. Ich hoffe einfach dass es irgendwann wieder besser wird. Tschakka!

    • Katarina am 5. Oktober 2017 um 20:58 Uhr- Antworten

      Es wird bestimmt wieder besser. Hoffe ich. Spätestens in 4 Jahren oder so.

      (Herzlichen Glückwunsch!!!)

  2. Mia am 5. Oktober 2017 um 21:06 Uhr- Antworten

    Also ich find weder dich noch deinen Blog langweilig! Sogar im Gegenteil! So ist es nämlich – das echte Leben als Mehrfachmami und Hausfrau 🤗

    LG, Mia

  3. Andrea am 5. Oktober 2017 um 22:01 Uhr- Antworten

    ohh wie ich das kenne 😀 abends 80 Dinge, die mir einfallen die ich dringend tun muss (aber tollerweise nur tagsüber gehen) und am nächsten Morgen, tja.. da ist das wie weggepustet und kommt erst abends wieder, wenn die Kinder (übrigens 2,5 Jahre und 6 Monate alt) im Bett sind

  4. Jennifer am 6. Oktober 2017 um 15:06 Uhr- Antworten

    Dein Blog ist echt. Diese „alles ist soo toll, alles ist soo aufregend, wir machen soo viel“ Blogs kann ich nur dosiert ertragen. Ich lese sehr gerne von Euch!

  5. Kathrin am 6. Oktober 2017 um 15:45 Uhr- Antworten

    Dafür, dass dein Blog so langweilig ist, freu ich mich aber immer abnormal sehr, wenn ein neuer Beitrag da ist 😀
    Mach weiter so! Genau so!

  6. Caroline am 9. Oktober 2017 um 10:46 Uhr- Antworten

    Das ist nur eine Phase, bestimmt! Erinnert mich so sehr an die erste Zeit mit meiner Tochter – und sie ist ein sehr Mama-bezogenes Einzelkind (!), ohne ältere Geschwister. Ich musste so grinsen eben, denn so ähnlich habe ich mich auch gefühlt. Während der Kinderwagen-Runden habe ich immer versucht, für meine Doktorarbeit Bücher zu lesen und war so verzweifelt, dass das nicht richtig klappte, weil das Baby aufwachte, wenn der Wagen stand.
    Ich freue mich immer, wenn Du etwas aus Deinem Alltag schreibst, Du findest so gute Metaphern. 🙂 Was die Arbeit angeht: vielleicht hilft es Dir, für die Zeit, in der der Dino Dich so in Beschlag nimmt, eine Aushilfe zu suchen oder eine Kooperation mit einem anderen Blogger einzugehen, um die Kontakte nicht zu verlieren und den Laden am Laufen zu halten. Oder eine Betreuung zu suchen, die den Dino bei Euch zuhause bespasst, während Du arbeitest … ich kann mir vorstellen, dass Dich das alles stresst. In der Zwischenzeit reiche ich Dir (virtuell) einen guten Kaffee. Alles wird gut!

  7. bodrum gezilecek yerler am 12. Oktober 2017 um 20:31 Uhr- Antworten

    Sehr schöner Artikel. Danke.

  8. Antje am 15. Oktober 2017 um 12:46 Uhr- Antworten

    Toll geschrieben und genau so ist es. Ich habe drei Kinder (6,3 und 2). Gefühlt wasche ich auch nur Wäsche, schnippel Obst und schaffe gar nichts. Wird hoffentlich mal besser.
    Du bist übrigends gar nicht langweilig. Mach weiter so…deine Storys versüßen mir meine langweiligen Tage!

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