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Schallschutzmauer

Es gibt so Tage, an denen sage ich in einer Tour: „Nicht so laut“, „Seid mal bitte etwas leiser“, „Ruhe jetzt!“ oder auch mal „Verdammt nochmal Ruuhe!“ Heute ist einer dieser Tage, ich bin seit dem ins Bett gehen müde. Trinke Kaffee, werde nicht wacher und jede Zuckung der Kinder ist mir dann zu laut. Dabei sind sie gar nicht extra laut, sondern so wie immer. Kinder-spielen Laut halt. Meine innere Schallschutzmauer ist nur sehr dünn.

Der Spüler plingt, die Kinder kreischen, die Wäsche winkt auch lustig und ich wünsche mich eigentlich auf das Sofa von Nele zurück. Da war es gestern schön. Es gab nette Erwachsenengespräche, kaum Kindergeschrei (waren nur Babys da *höhö*), Kaffee und Menschen die genau meinen Humor teilen. niemand der alle 3 Minuten die Tür aufreisst und „Mamaaaa“ ruft.

Erinnert ihr euch an diesen Post, den ich vor gar nicht so langer Zeit schrieb? Er fühlt sich an wie aus einem anderen Leben. Streng genommen ist er auch aus einem anderen Leben. Aus meinem „Drei Kinder Leben“ und nun habe ich statt einem Vorschulkind und zwei Kindergartenkindern noch ein Baby dazu. Nur das alle in keine Vorschule und auch in keinen Kindergarten gehen. Die beiden Einrichtungen stelle ich mir unter Schlafmangel allerdings grade sehr romantisch schön vor. Nur das man die Kinder dahin ja auch hinbringen müsste und wieder abholen und da geht dann ja auch Zeit drauf. Vermutlich in Summe so viel wie jedes „Mama“ aneinandergereiht. Mammammammmammmammaaammammmammammmaaaaaaaaaah Aaaahhhh!

Das gemeine an der Sache ist ja, ich weiss das sie es nicht böse meinen, also kann ich auch nicht super stinkig sein, obwohl natürlich mein menschliches Ego im Hintergrund ganz wunderbar rumstapft und mault. Vor allem verallgemeinert es grade. Es ruft „Niemals darf ich…“ und „IMMER räume ich hinter euch her“ und dabei verschränkt es schmollend die Arme vor der Brust. Dann lässt es sich aufs imaginäre Sofa fallen, greift zur Fernbedinung und zur Chipstüte mit Sour Cream Geschmack (mein Ego-ich hat nämlich keine Laktoseintoleranz), wirft sich lässig eine Handvoll knusprige, fettige Entspannung in den gierigen Schlund und drückt auf den ON Button.

„MAMAMAAAAA die hat mich gekneift!“

Mein auf der Couch sitzendes, Chips kauendes Ego rollt mit den Augen. Maan. Mein reales Mutter-Ich pustet und tröstet, schlichtet Streit.

Wo war ich? Achja auf der Couch. „Woran fehlts uns denn“, frage ich mein innerliches Ego-Ich. „Na, an Schlaf! Aber wer schläft der verschläft das Leben. Muhahaha. Ego-Ich wirft theatralisch die Hände in die Luft. „Außerdem will ich morgens alleine einen Kaffee trinken, mein Buch weiterlesen und das in völliger Stille“. „Muss es denn wirklich in totaler Stille sein“, frage ich vorsichtig nach und beuge mich ein bisschen in Richtung Ego-Ich.  Fehler. Ego-Ich schüttelt mich und kichert dabei völlig irre. Dann schmeisst Ego-Ich…

Photo* by Joanna Kosinska on Unsplash

„Mamaaaa?“
WO IST DIE SCHALLSCHUTZMAUER WENN MAN SIE BRAUCHT?
„Dürfen wir Naschi?“

Nein? Ja? Ach ich meine.. Gnaaah. Lasst-mich-das-doch-einfach-einmal-kurz „Dürfen wir?“ Was? „Na das Naschi, Mama“. Achja. „Ja. Aber jeder nur eins. Aber dann lasst ihr mich den Gedanken endlich in Ruhe zu Ende denken, ja?“

„Jaha! Klaaaar!“

So äh? Wo war ich? „SIEHSTE DAS KOMMT DAVON“, schreit Ego-Ich und schüttelt mich weiter. „Wir, also ich, also du. Wir, ja wir WIR kommen hier zu gar nichts. Hast du den Emailstapel gesehen? Und die Kooperationsliste? Und sind eigentlich alle Gewinnspiele ausgelost? Da wäre auch noch Wäsche. Und morgen ist ja auch wieder Bloggerstammtisch, steht das Thema? Wer kommt? Haben die Blogger zu oder abgesagt? BIST DU IRRE das du da mit allen VIER Kindern hinfahren willst?“

„Wer kann denn hier von „wollen“ reden“, maule ich müde zurück. Marc hat Nachtdienst. „Die Alternative wäre gar nicht hinfahren, aber die anderen zählen auf mich. Auf Jessi, auf uns als Organisationsteam, ohne uns läuft nix. Also eben mit allen Kindern hin. Hoffentlich finden wir einen Parkplatz, der nicht so weit weg ist. (Zum Glück haben wir den Doona. Ist mir ehrlich gesagt schnurz ob andere den doof finden, ich liebe ihn. Kein Maxi Cosi geschleppe!!!! Denn wir haben keinen Kinderwagen, und im Auto ist auch kein Platz für einen Kinderwagen. Dort wo der hinmüsste sitzt Motti)“.

„Mamaaaaa?“, ruft Wawi aus dem Flur.

„Jammern hilft auch nicht“, sagt Ego-Ich. „Schenk uns lieber noch einen Kaffee ein und schreib drüber das es bei dir auch nicht immer Zuckerwatte regnet“

*Dieses Foto drückt wunderbar die Ruhe aus, welche ich grade gerne hätte.
Credits// Text: Katarina, Bild: Photo by Joanna Kosinska on Unsplash

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By | 2017-10-20T20:22:08+00:00 20. Oktober 2017|Categories: Ich schreibe|Tags: |0 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

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