Instagram Mom mit Handy in der Hand

Haben Sie heute schon mit ihrem Kind geredet?

Lesezeit: 2 Minuten
Bei unserem Kinderarzt hängen Plakate, bei meinem Gynäkologen auch. Eine Szene, Mann und Frau, ein Baby oder Kleinkind mit im Bild (sehr wahrscheinlich keine echte Familie, ich kenne solche Familien-Plakate ich habe sowas mal für Werbekunden, ich meine es war eine Versicherung, fotografiert. Damals im Leben ohne Kinder, auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt)
B

esagte „Eltern“ auf dem Plakat, halten ihre Handys in der Hand und surfen damit augenscheinlich im Internet.

Auf dem Plakat steht provokativ: „Haben Sie heute schon mit ihrem Kind gesprochen?“.
Mich regen solche Plakate auf. Sie sind absolut Blödsinnig. Denn einerseits maßt sich der Ersteller an, mir zu unterstellen, dass ich nur mit einem Handy in der Hand nicht mehr mit meinem Kind rede, zum anderen erhöht es andere auf ein Podest. Die „Also ich mache das ja nicht, ich bin ein Superelternteil!“ Fraktion. Diese Fraktion, vorwiegend bestehend aus Mamas, welche ich im Internet (ausgerechnet da) beobachte. Sie überbieten sich in ihrer Selbstlosigkeit. Natürlich würden sie NIEMALS auf ihr Handy schauen, wenn das Kind wach ist.

Sie würden ihr Kind niemals fernsehen lassen, und die Eltern die SOWAS (pfui) machen, die sind ausgesprochen fürchterlich, man ist besser als DIE.

Ich verrate euch jetzt aber mal etwas: Klar, überhaupt nicht mehr mit dem Kind reden, es vernachlässigen, das ist wirklich schlecht. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Menschen sich um ihre Kinder kümmern.
Aber den durchschnittlich normalen Eltern sei gesagt: Ihr könnt euch aufregen noch und nöcher. Ihr könnt euch beschweren, dass Ehepaare viel weniger miteinander reden, weil beide in ihrem Handy irgendwas machen. Ihr könnt maulen, dass in der U-Bahn niemand mehr eine Zeitung aus Papier dabei hat, und alle wirklich so gut wie alle um euch rum ins Handy schauen. Ihr könnt sogar Plakate aufhängen mit „Haben Sie heute schon mit ihrem Kind gesprochen?“

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Allerdings wird sich deshalb die Gesellschaft um euch herum nicht verändern. Das Internet ist da, Leute. Die Menschen werden es nicht wieder aufgeben um dann wegen jeder Überweisung wieder zur Bank zu rennen. Sie werden den Luxus nicht aufgeben, dass sie online so gut wie alles zu jeder Zeit bestellen können und es an ihre Tür geliefert wird. Meistens zum nächsten Tag. Menschen tauschen fast alles ein, gegen Schnelligkeit. Sie geben sogar ihre Privatsphäre auf, für schnellen Zugang zu Informationen.

Statt also wie meckernde Rentner auf der Parkbank zu sitzen und vom guten alten Pferdekarren zu philosophieren, macht eure Kinder bereit fürs Internet. Es wird nicht mehr weggehen. Werdet Erwachsen, zeigt euren Kids den verantwortungsbewussten Umgang. (Und ja, redet mit ihnen. Vielleicht über das Internet.)

Dankeschön fürs Lesen!

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9 Comments

  1. Denise BloggerMum

    Wie immer, toller Beitrag von Dir! Mich nervt sowas auch. Generell diese Pauschalisierungen. Es gab doch neulich auch dieses Theater mit „Handyverboten“ im KiGa. Erstens erlebe ich im Alltag nicht, dass sich Eltern nur mit dem Handy beschäftigen und nicht mit dem Kind. Desinteressierte Eltern gibt es, aber da liegt es sicher nicht am Handy. Ich habe keine Lust, mich bevormunden zu lassen. Außerdem, wenn ich das Handy im KiGa mal nutze beim Bringen oder Abholen, meistens dazu, Aushänge zu fotografieren, damit ich die Infos nicht vergesse oder um, ganz schlimm, eine Verabredung mit einer anderen Mama für mein Kind zu treffen. Wie kann ich nur meinen Terminkalender dafür nutzen? Persönlich verstehe ich auch nicht, warum es okay ist, eine Zeitung, Zeitschrift oder ein Buch zu lesen, aber nicht auf meinem Handy die Nachrichten zu lesen. Oder mit meinen Freundinnen zu schreiben. Als ich Kind war, gab es das nicht. Dafür hat meine Mutter (gefühlt) oft Stunden telefoniert. Und war genauso „abwesend“ wie mit einem Handy bzw. sogar noch mehr, da ich mein Handy ablege und meinem Kind zuhöre. Genauso meine Freundinnen, daher kommunizieren wir über Messenger, weil man damit lesen oder antworten kann, wenn man die Zeit dafür hat. Hat man unseren Müttern damals vorgeworfen, dass sie auf dem Spielplatz lesen, Zuhause telefonieren oder Briefe schrieben? Wie Du denke ich auch, man muss die Kinder auf das digitale Leben vorbereiten, nichts Verteufeln, aber eben auch Risiken erklären. Unsere Kinder wissen auch, warum wir eine Alexa haben, da aber bei Nicht-Nutzung der Stecker gezogen ist.

    1. Katarina

      Hallo Denise,
      ich gebe dir völlig recht! Meine Mama hat auch gerne telefoniert und das finde ich auch nicht schlimm. Wieso wird eigentlich (abgesehen von Gefahren und bei Babys) verlangt das man in jeder wachen Minute, dem Kind 100% zur Verfügung stehen muss? Und ob man jetzt liest (Buch/Internet) oder strickt oder klönt ist doch alles das gleiche, finde ich.

      Das mit dem
      Alexa einfach ausstecken war mir gar nicht bewusst. Wir haben bisher keine, eben aus dem Grund. Aber mit ausstecken könnte sie praktisch sein.

  2. Denise BloggerMum

    Hi, eben, ich fand es als Kind natürlich manchmal in dem Moment nervig, natürlich war meine Mutter für wichtige Sachen aufnahmefähig, aber eben nicht für die ständigen Fragen oder sowas, wenn sie denn telefoniert hat. Genauso ist es, wie Du sagst, wenn man sich irgendwo unterhält oder irgendwas. Nein, ich stehe nicht immer 100% zur Verfügung. Ich schließe auch die Badezimmertür ab, weil meine Kinder alt genug sind, zu wissen, dass ich nicht „weg“ bin, ich aber nicht mehr unter der Dusche ein „Du, Mama, guck mal, das Legomännchen xyz“, was eben auch die 5 Minuten warten kann, dann gucke ich mir sehr gerne an, was sie spielen.

    Wir haben die Alexa bei einer Vertragsverlängerung bekommen und ich muss auch sagen, ich war skeptisch, denn ich bin mir der Funktionen sehr bewusst. Daher ist sie meistens nicht eingestöpselt, außer, wir hören Musik oder wollen Infos (die Kinder lieben es, Alexa Fragen zu stellen). Aber eben das haben wir ihnen erklärt, dass auch Risiken und nicht einschätzbare Situationen bestehen. Im Urlaub habe ich sie übrigens mit Absicht eingestöpselt gelassen, aus der App kann ich sie starten und unser System informiert mich, wenn jemand rein kommt, da könnte man also Alexa ganz laut Musik spielen lassen (das habe ich zufällig aus Versehen entdeckt, als ich von Unterwegs meinen Mann zu Tode erschrocken habe, weil Alexa plötzlich laut anging). Auch da kann man wie bei allem diskutieren, ob man dieses Gerät braucht oder nicht.

    Genauso dürfen meine Kinder Fernsehen. Wir verteufeln keine Medien. Aber wir versuchen schon, sie bewusst dazu zu erziehen, im Urlaub haben wir alle überhaupt nicht Ferngesehen, hat sich einfach nicht ergeben. Aber wenn jemand krank ist, wird mehr geschaut oder wenn der Hausherr auf Reisen ist, damit unser Abend entspannter läuft, ich den Kleinsten einschlafbegleiten kann oder eben einfach, weil es Spaß macht.

  3. Ursula

    Total offtopic, aber: Euer Dino ist so unfassbar…..wie soll ich das nennen? Süß? Passt ja nicht zu einem Dino, oder? Charmant? Wunderschön?
    Auf jeden Fall muss ich immer lächeln, wenn ich ihn sehe… <3

  4. Sarah

    Das schlimme ist ja: die Eltern die wirklich nicht mehr mit ihren Kindern reden und nur zockend vor dem PC sitzen, oder ständig Verdachtsfälle auf RTL schauen und dafür die OGS bis 16 Uhr angemeldet haben: die lesen diese Plakate nicht ODER die reflektieren sich nicht.

    Von daher: wieder eine Kampagne mehr für all die Rentner die sich über die Jugend aufregt. Das sieht du richtig.

  5. Nicole

    Liebe Katarina, du triffst den Nagel mal wieder auf den Kopf.
    Oh wie ich sowas liebe, ein echtes Buch lesen ist in Ordnung aber wehe man tut dies auf dem Kindle. Digitale Medien und Geräte gehören inzwischen einfach zum Leben und erleichtern es uns sehr. Ich bin auch der festen Meinung, das ein bewusster Umgang damit doch das eigentlich wichtige ist. Egal ob es das Foto von einem tollen Moment ist, das nachschauen der nächsten Unternehmung oder das verabreden mit Freunden. Was wir am Handy machen, geht eigentlich niemanden etwas an! Vor 30 Jahren saß man mit der Zeitung auf dem Spielplatz und hat genauso viel mitbekommen wie jetzt.

  6. Yvonne von family.snap

    Liebe Katarina,
    mal wieder ein sehr guter Beitrag von dir. Vielen Dank dafür. Du bringst die Sachen auf den Punkt und sprichst Tacheles. So liebe ich das. Ganz meine Art 😉
    Ich schaue natürlich auch häufig auf mein Handy (lese Nachrichten, schreibe auch mal mit einer Freundin oder mache sonst etwas). Und natürlich versuche ich das nicht die ganze Zeit zu machen, wenn mein Sohn da ist und etwas mit mir machen will. Aber auch dann passiert es mal. Mich deshalb immer schlecht fühlen? Nein. Aber mich daran erinnern, dass ich das nicht zu häufig tun sollte? Ja sicherlich. Wie du sagst, versuchen wir alle tolle Eltern zu sein. Und wir sind nicht perfekt. Unsere Kids wachsen anders mit Handy und Internet auf. Wir sollten sie also dafür Sensibilisieren.
    Danke für deine Worte. Alles Liebe
    Yvonne

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