Adé Selbstzerfleischung

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Ich habe letztens folgenden Satz getwittert:
„Ich glaube mein Geheimnis ist, dass ich mein mütterliches Handeln nicht ständig selbstzerfleischend hinterfrage.“
D

as wollte ich gerne auch hier auf dem Blog etwas weiter ausführen, denn ich glaube dass es vielleicht für den einen oder anderen / die eine oder andere hilfreich sein kann.

Keine Frage, man sollte sich natürlich schon reflektieren in seinem Handeln. Aber ich denke nicht, dass es nötig ist sich ständig selbst Vorwürfe zu machen. Heute die Wäsche nicht geschafft? Ja, ist schade, aber nun. Heute die Kinder angemeckert? Ja, aber das passiert jedem mal. Sich mehr um das eine Kind gekümmert, vielleicht sogar wochenlang weil es krank war/ist? NA DANN IST DAS EBEN SO.

Das zurücksteckende Kind sollte nicht sein ganzes Leben zurückstecken, klar. Das macht psychische Probleme. Aber ein Jahr oder ein halbes Jahr voller Liebe, aber mit weniger Zeit, das ist schon zu verkraften, finde ich. Vor allem wenn man das auf ein durchschnittliches Menschenleben berechnet. Es ist ja nicht so, als würde das eine Kind dann verwahrlost in der Ecke sitzen und das andere Kind darf Ponyreiten und Chips essen und Übernachtungsparties haben. Es geht ja mehr um profanere Dinge. Wer braucht jetzt grade mehr Aufmerksamkeit? Wessen „Mama!“ ist grade wichtiger.

Ade Selbstzerfleischung, wieso permanentes meckern mit sich selbst der Kindererziehung nicht gut tut.

 

Ich handhabe das bei uns in der Regel so: Dringend kommt vor weniger dringend. Eigentlich ganz logisch. „Mama ich blute“ ist auf der Prioriätenliste höher als „Das Baby wird weinen wenn ich es jetzt absetze und die Wunde versorge, also hampel ich mir jetzt einhändig hier einen ab.“ Da muss das Baby dann durch.

„Was aber, wenn das Bedürfnis des Babys nach Nähe in dem Moment grade so doll ist, das die blutende Wunde und das Bedürfnis gleichauf liegen? Das Baby kann sich ja noch nicht äußern.“

Ganz ehrlich? Das mag sein, aber ich kann nicht hellsehen. Solange das Baby nicht sprechen kann, und redet, werden hier Wunden als erstes versorgt.

Aufmerksamkeit

Was aber mit Aufmerksamkeit? Was wenn ein Kind viel mehr Aufmerksamkeit einfordert als ein anders? Kommt dann nicht eins zu kurz?

Ade Selbstzerfleischung, wieso permanentes meckern mit sich selbst der Kindererziehung nicht gut tut.

 

Nicht unbedingt. Ich vergleiche es mal mit einer Metapher: Nicht jeder Erwachsene isst jeden Tag gleich viel. Auch wenn der Kaloriengrundbedarf gedeckt werden muss. Aber jemand der den ganzen Tag im Garten schuftet, hat mehr Hunger, als jemand der auf der Couch lag. Dafür arbeitet der, welcher auf der Couch liegt, vielleicht am nächsten Tag als Dachdecker und isst dementsprechend mehr. Irgendwie, wenn man nicht gänzlich gegen die Natur handelt, gleicht sich das wieder aus. Genauso wie man krank eher weniger isst, sobald man gesund ist, aber wieder isst wie ein Scheunendrescher.

Genauso ist es meiner Meinung nach mit dem „Aufmerksamkeitslevel“. Das eine Kind braucht an dem einen Tag eben mehr, am nächsten Tag vielleicht weniger, weil da Freunde zu Besuch kommen oder Oma babysittet. Solange man dass Grundlevel im Auge hat, also kein Kind ständig zu kurz kommt, sollte sich das von alleine regeln.

Und das schlechte Gewissen? Tja, schlechte Nachrichten. Das machst du dir selbst. Schließlich schaust du vergleichend nach rechts und links, und bei der Frau Blogprinzessin da geht das alles immer so einfach und die hat vier Kinder! Wieso schaffe ich das dann nicht mit einem? Ich glaube ja, auch wenn Erziehungsratgeber, Elternblogs und Ratschläge anderer Mütter eigentlich ganz gut sind, bauen sie auch einen Druck auf. Den hinter sich zu lassen ist recht schwierig, ich nehme mich da nicht aus.

Beispielsweise vertritt einer dieser Familienratgebergurus die These (plump gesagt) „Loben ist doof, denn dann macht die andere Person irgendwann etwas nicht mehr weil sie selbst Freude daran hat, sondern um anderen zu gefallen“. Grundsätzlich bestimmt nicht falsch. Man denke da an die Freundinnen die einem sagten WIE COOL man mit den Plateauschuhen aussah, und ZACK hatte man sie jeden Tag an. Oder man bekam das mit und dachte sich, dass man die Dinge unbedingt braucht, egal wie scheiße sie aussahen.

In meinem Alltag macht die These durchaus auch Sinn, klar sollen die Kinder Spass an dem haben was sie machen, aus innerem Antrieb und nicht um Mama zu gefallen.

ABER und jetzt kommt das ABER: In der Realität lobe ich eben doch. Weil ich wirklich finde, dass ein Bild gut gelungen ist, oder sie etwas richtig gut gemacht haben. Ich sage: „Du hast ganz toll deine Schmutzwäsche selbstständig in den Wäschesack geworfen“ und nicht „Was meinst du denn? Hast du das gut gemacht?“, wenn sie mich fragen „Mama habe ich das toll gemacht?“

Ade Selbstzerfleischung, wieso permanentes meckern mit sich selbst der Kindererziehung nicht gut tut.

 

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ganz ehrlich, sie werden mich in der Pubertät eh doof finden. Ich werde die blödste Mama der Welt sein, ich werde bestimmt durch das eine oder andere Verbot „ihr Leben zerstören“. Das wird so sein. Das war schon immer so. Das werde ich auch damit nicht ändern, wenn ich mir jeden Abend Vorwürfe mache, ob das eine Kind vielleicht doch hätte noch mehr geknuddelt werden müssen, ich weniger hätte „jetzt nicht“ sagen sollen. Manches kann man auch einfach nicht ändern, es ist wie es ist. Um bei dem Beispiel von Frida zu bleiben: Wenn ich in der Schwangerschaft halbtot über den Teppich krieche und das kleine-große Kind anpflaume, dann ist das meiner Meinung nach doof. Andererseits ist es normal.

Man ist als Mama ja auch noch Mensch und nicht eine Maschine ohne eigene Bedürfnisse, die selbstlos zu funktionieren hat und ich denke, diese Erkenntnis, dass Mamas auch nur Menschen sind, ist für Kinder gar nicht so schlecht.

„Also weg mit dem schlechten Gewissen, die Rechnung einfach mal anders aufmachen und all die schönen kleinen Momente auflisten, die man seinen Kindern mitgegeben hat. Und ich freue mich jetzt einfach mal auf Little Pea’s dritten Geburtstag und die großen Augen, die sie machen wird.“ – Frida Mercury, 2Kindchaos

In diesem Sinne: Habt euch selbst auch ein bisschen lieb, Mamas.

 

Dankeschön fürs Lesen!

Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar unter diesem Blogpost hinterlässt.

By | 2018-05-21T14:26:10+00:00 22. Mai 2018|Categories: Ich schreibe|Tags: |0 Comments

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

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