Bist du ein Mann, oder eine Maus, dachte ich und griff zur Heckenschere. So schwer konnte das doch nicht sein?

Give a Family a Garden – Teil 4

Lesezeit: 3 Minuten
Schon lange habe ich nichts mehr im Garten gemacht. Bis 25 Grad war das ja  alles noch schön, aber bei 40 Grad muss ich nicht mehr durch den Garten kreuchen. Vorgestern aber, da war das Wetter so richtig nett. Nicht zu heiß, aber trotzdem alles trocken. Ich schickte den Mann also in den Garten. Hecke schneiden. Der soziale Druck der Nachbarschaft macht es möglich.
H

ier wird nicht nur gemeinschaftlich gemäht, sondern auch die Hecke geschnitten. Unsere Hecke ist ca. 100 Meter lang und hat einen Durchmesser von etwa 1 Meter. In der Höhe ist sie inzwischen vermutlich bei 1,70 Meter angekommen. Vielleicht mehr. Der Mann und ich sind jedenfalls 1,70 Meter groß und können beide nur noch schwerlich über die Hecke schauen. Für Privatsphäre in unserem Garten ist das genial.

Ich schickte also den Mann bewaffnet mit seiner Heckenschere in den Garten. Dann fuhr ich mit den Mädels zum Schwimmkurs. Wir kamen wieder, und der Mann strahlte mich an, ich solle doch mal schauen wie weit er schon bei der Hecke sei.

Ich schaute. Ich schaute genauer. Ich versuchte wirklich das zu sehen was er sah. Aber ich sah nicht viel.

„Wie weit?“, fragte ich irritiert. „Da ist doch kaum was zu sehen? Was hast du denn die ganze Zeit gemacht?“ Der Mann schaute grummelig. Schliesslich hatte er, der Mann, das Monster von Heckenhausen angegriffen! Mit einem gefährlichen, motorisierten Heckenschneideding! Es hatte kurz gezittert, aber er der Mann hatte es schon fast besiegt, wieso sieht das die Frau denn nur nicht?

Bist du ein Mann, oder eine Maus, dachte ich und griff zur Heckenschere. So schwer konnte das doch nicht sein?

Am nächsten Tag

Gestern war der Mann den ganzen Tag bei der Arbeit. Die Hecke lächelte. Ich starrte zurück.

Die Hecke rief neckisch:“ Ich werde bald so groß sein wie meine Cousine. Die war damals für das Dornröschenschloss zuständig.“

Ich rief zurück: „Dass DU einen geheimen Plan hast war mir klar! Aber uns wirst du nicht bekommen!“

Hecke: „Das werden wir ja mal sehen! Dein Mann ist vielleicht einfach ein Weichei!“

Ich: „Niemals! Der hat hat nur zu wenig Zeit!“

Hecke: „Das glaube ich dir nicht! Der ist ne Lusche! Nänänänää.“

Ich:  „AAHHHHHHHHHHHH GRRR!“

Dann warf ich mich in meine beste Ghostbusters-Heckenschneidemontur, channelte meinen inneren Edward mit den Scherenhänden, raunte dem Dino zu, dass es eine super Idee wäre, wenn er jetzt anfangen würde schonmal den Fluchttunnel nach Australien in die Sandkiste zu graben. Man weiß nie, wann man den braucht.

Der Dino schaute ernst, nahm sein Schäufelchen und zog die Kaputze ins Gesicht. Dann fing er mit versteinerter Miene an zu buddeln. Ich schlich mit der Heckenschere Richtung Feind! „Buddelst du auch noch schön, Dino?“, rief ich über meine Schulter. Als Antwort spuckte der Fluchttunnelbuddler verächtlich eine Mischung aus Steinen und Sand in meine Richtung. Was fragte ich auch so doof? Er war geboren um zu buddeln.

Die Hecke raschelte neckisch. Ein bisschen die Heckenschere rüberschwingen, und dann nach unten durcharbeiten. Wetten, in einer halben Stunde wäre dieser Busch ’nen Kopf kürzer gemacht? So schwer konnte das doch nicht sein? Ich schwang die Schere.

ACH DU VERDAMMTER MISTKÄFER! Das war ja scheisse schwer! Und mir flogen ständig kleine Aststückchen entgegen. In den Ausschnitt. Bestimmt… juckt das nur oder krabbelt das? WAAH. Was sitzt denn so in einer Hecke das…ääähh. Ich mochte nicht mehr. Oh. Die Hecke. Ich wollte ja eigentlich nur ratz fatz. Die Hecke lachte höhnisch. Meine Arme wurden schwer. „Buddy? Wie weit bist du mit dem Tunnel?“, rief ich in Richtung Sandkiste. Der Dino buddelte unbeirrt weiter.

Meine Arme wurden schwer. Ich hiefte die Heckenschere wieder auf diese verdammte kack Hecke. Die war in der Zwischenzeit doch sicherlich schon wieder gewachsen? Nach 20 Minuten gab ich auf. Ich starrte die Hecke an. Da war genau gar kein Fortschritt zu sehen. Obwohl ich voll lange mit der Motorsäge..äh Heckenschere dem Ding zu Leibe gerückt war.

Abends kuschelte ich mich kleinlaut an den Mann. „Duhuu?“ „Ja?“ „Die Hecke ist ’ne Bitch. Das ist ja wirklich eine Scheissarbeit!“ „HA! Sag ich doch“, murmelt er triumphierend.

Die Hecke brüllte derweil von draußen rein:“ Ich werde euch alle töten. HAHAHAHA. Ich werde die Welt beherrschen! Alles soll so schön grün sein wie iiiich! Ich werde kommen und euch holen.“

„Das werden wir erst einmal sehen“, murmelte der Dino mit seiner Schaufel unter dem Arm. „Sie haben einen Garten- und Landschaftsbauer beauftragt, weisst du? Der hat ganz tolle große Maschinen. Aber wenn du willst, nehme ich einen Teil von dir mit nach Australien. Denn *ich* weiß es, du bist Groot.“
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Dankeschön fürs Lesen!

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3 Comments

  1. Jacqueline

    Hallo Katarina
    Das liest sich ja fast wie ein Drehbuch zu einer HorroKomödie 😉
    Aber glaub mir, so böse Hecken hat jeder. Unsere ist bestimmt 2 Meter hoch und bräuchte mal wieder ne neue Frisur.
    Aber genau wie bei dir arbeitet der Mann viel.
    Und ich komme auch nicht so recht gegen sie an. Wenn ich am Ende angekommen bin, ist sie vorne schon wieder gewachsen. Es sollte Hecken geben, die man nicht schneiden muss.
    Und bis dahin müssen unsere Kinder halt einfach den Tunnel bis Australien fertig gebuddelt haben 😉
    Ich wünsche dem Dino viel Erfolg dabei
    Schöne Grüße von der Küste
    Jacqueline

  2. Romy Matthias

    Bei uns ist im Garten nicht all zu viel zu tun, aufgrund der enormen Trockenheit ist alles vertrocknet. Mussten 2 Mal den Rasen mähen im ganzen Jahr. Und was die Nachbarn über meinen Garten denken, ist mir völlig egal. LG Romy

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