Schulanfang ist manchmal für alle schwer. Besonders für die Eltern.

Der erste Schultag nach den Ferien

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Gestern haben wir etwas irres gemacht. Wir sind durch 4 Bundesländer gefahren um meine niedliche Nichte zu besuchen. Morgens 240 km hin, und nachmittags wieder 240 km zurück, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: bloß nicht zu spät zu Hause ankommen, morgen ist wieder Schule. Ade Herbstferien, hallo neue Routine. Wir sind wieder da.

Der Morgen lief heute früh auch wie erwartet. Der Wecker klingelte um 6 Uhr, ich ignorierte ihn bis um 7 Uhr, und war trotzdem noch immer vor allen anderen wach. Ich schlurfte geräuscharm die etwa ein halbes Jahrhundert alte Holztreppe hinunter und machte mit einem „klick“ die Kaffeemaschine an. Alexa versuchte mich derweil aus dem Schlaf zu quatschen (schon komisch, kaum sind die Kinder mal still, lasse ich mir morgens gleich von Alexa die Nachrichten erzählen…), ich nahm allerdings verschlafen wie ich war kaum Notiz davon. Da mussten härtere Geschütze ran. Dusche!

Ich tappste also Richtung Duschwanne, meinen Blick starr auf den Boden gerichtet. Gestern, im Wildpark, habe ich nämlich gelernt, dass Frösche bis zu 110m… ich meine natürlich 1,10m weit springen können. Da ich keine Lust hatte von einem grünen (okay, bei uns eher schlammbraunen) Ungeheuer attackiert zu werden, schwenkte mein Blick über den Boden und in die Ritzen. Unser Badezimmer ist gefühlt riesig. Fast ein Tanzssaal. Nunja,  ein ungeheuerlich blöd geschnittener Tanzsaal, der kaum Platz für Regale oder Badmöbel lässt. Einziger Vorteil: wo keine Möbel sind, können sich keine Amphibien verstecken. Ausser natürlich in der Duschwanne selbst. Ich zog also todesmutig den Duschvorhang zurück und… starrte in eine leere Duschwanne. Ein bisschen wacher war ich jetzt schon.

Nach einer langen heißen Dusche schaute ich (wirklich nur kurz) am Spiegel vorbei. Meine Augenringe hatten Augenringe, ach nee doch nur Mascara-Ringe. Abgeschminkt sah das Elend dann ein bisschen besser aus, aber nicht viel. Also schnell das Licht wieder aus und zum Kaffee. Auf dem Weg zur Kaffeemaschine begegneten mir Marc und der Dino. Dann kam Wawi die Treppe runter, dann weckte ich Motti. „Aufwachen du darfst* zur Schule!“, flüsterte ich in ihr Ohr.

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Mit 180km/h richtete sich Mottilein auf und kletterte im Turbotempo aus dem Bett. Also so war das in den Ferien aber nicht. Nicht wunder, nur lächeln und winken. In der Küche hatten wir dann alle auch ziemlich schnell unsere Morgenroutine wiedergefunden. Sie, die Morgenroutine, saß mit einer Kaffeeinfusion in der Ecke und maulte. Aber Gerda die Morgenroutine muss bei uns eben immer ran, egal wie kurz die Nacht war. Konkret bedeutet das: anziehen, Haare bürsten, Schlafanzüge wegräumen, frühstücken, Zähne putzen und die Morgenaufgabe erledigen.

Dann gingen wir zur Schule. Motti war gut gelaunt und wir überlegten uns, was ihre Klassenkameraden wohl sagen würden, wenn sie hörten dass Motti in den Ferien nicht nur in Berlin gewesen war, sondern auch einen waschechten T-Rex gesehen hatte. „Motti, soll ich dich nachher abholen, oder willst du alleine von der Schule nach Hause laufen?“ „Ich möchte dass du mich bitte abholst!“

Noch vor dem Schultor trafen wir zwei Freundinnen von Motti, es gab einen Turbokuss und dann war sie auch schon verschwunden. Ich machte mein Hörbuch an und ging wieder nach Hause.

NSA - Nationales Sicherheits-Amt: Roman
  • Andreas Eschbach
  • Herausgeber: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover)
  • Auflage Nr. 12018 (28.09.2018)
  • Gebundene Ausgabe: 800 Seiten

Kurz zu dem Buch: Stellt euch vor, zur Zeit des dritten Reichs hätte es schon die Computertechnologien von heute gegeben. Damit meine ich nicht „irgendwas weit weg“ sondern ganz konkret: Smartphones, Computer, das Internet und Tagebuch Apps. Das ganze gekoppelt mit Cloud Diensten und alles schön einsehbar vom Staatlichen Geheimdienst und schon habt ihr den Salat.

Für wen ist das Buch was? Alle die Thriller lieben, bei denen es auch mal „herber“ zugehen darf. Generell tut das Buch weh, regt zum Nachdenken an an und eigentlich denkt man die ganze Zeit „ohgottogott!“ und möchte sich die Möglichkeiten gar nicht so sehr auf die Gegenwart übertragen.

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Zurück zum Thema. Nach ein paar Stunden, in denen die Zwillinge spielten, der Dino das Haus in Schutt und Asche legte und Marc kochte, machte ich mich auf Motti wieder abzuholen.

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Ich ging zur Schule. Ich war pünktlich. Ich wartete und wartete. Genau genommen wartete ich vor dem Schultor 25 Minuten lang darauf, dass mein Kind durch dieses gelaufen kommen würde. Kam sie aber nicht. Niemand braucht 25 Minuten von der Turnhalle zum Schultor. Auch mein Kind nicht. Klassenkameraden von ihr sah ich aber auch nirgends. Wie gut dass eine ihrer Klassenkameradinnen genau neben der Schule wohnt, vielleicht ist sie zu ihr mitgegangen, dachte ich und wählte nebenbei Marcs Handynummer.

Das sind, echt ohne Witz, die Momente in denen ich es gut fände wenn mein Kind ein Handy hätte. In der Grundschule.

Es klingelte bei Marc. „Du sag mal, ist Motti schon zu Hause angekommen?“ „Ähn..nee.“ „Hmm, ich gehe mal zu Celina mal schauen ob sie da gelandet ist. Oder ob die auch noch nicht zu Hause ist.“

Celinas Mama öffnete die Tür und versicherte mir, dass Celina schon vor einer Weile sicher zu Hause angekommen war.

Na super. Ich versuchte mein inneres Ich zu beruhigen. Gut, Motti ist nicht der Typ der einfach bei Fremden mitgeht. Daher machte ich mir noch keine großen Sorgen. Wunderte mich nur… Aber gut, vielleicht traf ich sie ja auf dem Weg nach Hause, der Weg ist nicht weit. Dann klingelte mein Handy….

Marc: „Motti ist grade bei uns in den Garten gekommen!“ Ich seufzte erleichtert. „Sie hat noch ein anderes Kind dabei“. Ich dachte: Na mal sehen wer das ist. Und ob die Eltern dazu wussten wo ihr Kind war. Ich sprintete nach Hause.

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Zu Hause empfang mich eine gut gelaunte Motti. „Mama. die A. und ich sind durch die Anderestraße gegangen und wir wollen uns zum Spielen verabreden. Und die anderen Kinder haben auch ganz tolle Sachen in den Ferien gemacht. Hausaufgaben habe ich glaube ich keine…“

Zu Hause empfang mich eine gut gelaunte Motti. "Mama die A. und ich sind durch die Spielstraße (Schleichweg) gegangen. Außerdem wollen wir uns zum spielen verabreden. A. trifft sich jetzt mit ihrem Papa hier oben an der Bushaltestelle und das lag ja genau auf meinem Weg und dann dachten wir wir könnten ja zusammen gehen, nach dem Sportunterricht. Außerdem haben wir einen neuen Jungen in der Klasse, und die Frau Hase die wollte eigentlich eine Bootstour machen, aber sie war krank..."

Mir fielen einige Steine vom Herzen. Dann gab es einen Hinweis, dass es echt nicht gut ist seine Mama am anderen Ende der Schule stehen zu lassen, weil man vergisst dass man sie zur Schule bestellt hatte. Wir einigten uns darauf, dass sie und A. jetzt offiziell zusammen laufen dürfen und wir das jetzt diese Woche „üben“. Also eigentlich übe ich. Ich muss üben dass mein Kind nach der Schule auch wieder nach Hause kommt.

Das erste Kind, in der ersten Klasse. Es gibt ja so viel zu lernen. Besonders für die Eltern.

*“Du darfst in die Schule“ ist bewusst gewählt. Weil ich „Du musst in die Schule“ echt doof finde, vor dem Hintergrund dass anderswo Kinder so gut wie alles machen würden um in die Schule gehen zu dürfen, statt beispielsweise aufs Feld.

———

Dankeschön fürs Lesen!

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Letzte Aktualisierung am 18.11.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

3 Comments

  1. Kristina

    Sind Schulwege nicht toll?!? Manchmal frage ich (Mutter einer Zweitklässlerin) mich, ob die Schule nur gegen Eltern-Taxis ist, um mich zu ärgern oder mir viele, viele graue Haare zu bescheren. Dank großer Entfernung (1 km) und unverschämt frühem Schulbeginn (7.40 h da sein) sind wir in der ersten Klasse ganz gut um das allein laufen wollen drum herum gekommen, aber jetzt geht es wirklich los. Und man darf sich nicht wundern, dass Siebenjährige sich offenbar mit 1 km/h vorwärts bewegen, denn es gibt ja SO VIEL zu entdecken. Neulich fand ich Tochterkind sitzend auf halbem Weg. Allein. Ich war schon voller Sorge, aber sie musste Pause machen, weil die 3 kg Kastanien in der Tasche doch so schwer waren. Einen Anruf bekam ich auch schon, von der Mama des Klassenschwarms. H (mein Kind), sei mit zu J. gegangen, man müsse sich die dort im Garten befindlichen Hühner besehen und warten, wann sie ein Ei legen. Das dauert. Und dann gibt es da noch dieses leerstehende Haus, in das H und J einziehen wollen, nachdem sie es von ihrem Taschengeld gekauft haben. Phantasie braucht Zeit. Und Freiheit! Keine Mama, die zuhause auf dem GPS-Empfänger ihr Kind tracken kann, kein Kind, das durch Handyklingeln gestört wird (ich habe wirklich auch den Wunsch danach). Kindern Freiheit lassen braucht Mut, aber ich *darf* mutig sein 🙂

    Viele Grüße

  2. Christa

    Ich kommentiere so gut wie nie aber hier ein Tip
    Bei ndk gibt es eine Uhr mit Handykarte, wählt eingespeicherte Tel Nummern und hat einen sos Knopf. 20,–

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