Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann mächtige Probleme machen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Lesezeit: 4 Minuten

Ich dachte ja es würde einfacher werden. Wurde es aber nicht. Weder 2012 noch 2018. Familienpolitisch hat sich innerhalb dieser 6 Jahre eigentlich gar nichts verbessert. Oh Moment, doch, ich glaube es gab irgendwann zwischendurch immerhin 10€ mehr Kindergeld.

Undankbar bin ich darüber wirklich nicht, aber es ist noch immer weit weg von  der „Sie müssen nur wollen“-Vereinbarkeitsutopie.

Immer wieder liest man in Artikeln davon, wie schwer es ist Familie und Job unter einen Hut zu bekommen, speziell wenn man auf altmodische Chefs und Chefinnen trifft, die einfach nicht einsehen wollen wieso man vielleicht ein flexibleres Arbeitsmodell braucht. Da werden noch immer Konferenzen auf Freitagnachmittag um 16:00Uhr gelegt. Da wird noch immer schief im Kindergarten geschaut, wenn Mama beim Bringen und Abholen entweder die erste („Was machen SIE denn schon hier?“) oder die Letzte („Also die ANDEREN Kinder sind ja schon weg.“) ist. Müttern wird permanent ein schlechtes Gewissen eingeredet. „Nicht das Handy in der Hand haben, wenn das Kind wach ist!“ „Nicht so lange arbeiten, sonst ist das Kind ja so lange in der Kita!“ „Lass den Jungen aber bloß nicht so lange alleine zu Hause, wie soll der denn Sozialverhalten lernen?“.

Wir haben also einerseits ein althergebrachtes „traditionelles“ Mutterbild, das der glorreichen Mama in Kittelschürze, die sich selbstlos um die Kinderschar kümmert und nebenbei perfekte Kuchen backt und den Haushalt schmeißt. Und andererseits die anderen (nicht gerade kleinen) Ansprüche den wir selbst und die Gesellschaft an uns stellen. Perfekte Mutter, perfekt im Job (dem Mann mindestens ebenbürtig), perfekter Haushalt, perfektes Sozialleben mit Freundinnen und Hobbys, dazu natürlich eine super heiße Partnerschaft und ganz easy genug Zeit für Selbstfürsorge, Me-Time und Beauty.

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Sieht man ja alles so in den sozialen Netzwerken. Heiße Model Frauen mit vielen Kindern die in ihren superblitzenden durchdesignten Küchen stehen,  und die in den Storys mal nebenbei einwerfen: „Hey Mädels! Ich bin wieder shoppen bei Mio Mio mit meinen BESTIES“ und gleich danach kommt das Knutschfoto mit dem durchgestylten Instagram Husband, der irgendwie auch nie aussieht wie Jürgen aus Bochum sondern immer wie Jason aus Malibu Beach. #couplegoals

Klar ist das nie die Realität (die Männer und Kinder vielleicht schon, aber dass bei denen nix rumliegt glaube ich nicht). Ich denke da sind wir uns alle einig. Klar poste ich auch lieber Fotos von meiner aufgeräumten Wohnung, statt von den Ecken die ein SWAT Team  für die Wäscheberge und Mr. Propper benötigen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann mächtige Probleme machen.

Was mich aber am meisten erschüttert ist folgendes. Wenn ich mich so im Freundeskreis durchfrage, dann rennen alle immer von A nach B nach C, sagen aber trotzdem „ja, ist halt stressig, aber mir gehts prima.“

Dann nicke ich, und denke abends, völlig fertig, auf der Couch in meinem Haus das definitiv nicht so aufgeräumt ist wie ich mir das immer erträume:  Verdammte Scheiße, wieso bekomme ich das nicht hin? Wieso fühle ich mich die meiste Zeit total abgehetzt? Wieso schreiben mir Frauen, dass es ihnen genauso geht, sie sich aber nicht trauen das zuzugeben. Frauen, die, wenn sie noch die Kraft haben, abends in der Dusche heulen weil sie so fertig sind?

Frauen die „es“ nicht schaffen, gelten als Versagerinnen, als die die es eben nicht drauf haben. „Wieso hast du denn Kinder bekommen, du wusstest ja wohl dass dein Leben nicht weitergehen wird wie bisher?“ Manchmal frage ich mich ja, ob solche Fragen auch einem Mann gestellt werden.

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Deutschland 11 Uhr in der Kantine einer großen Industriefirma. Karl-Heinz und Benno stehen an der Tablettausgabe. Benno gähnt. „Sag mal Benno…wie machst du das eigentlich? Arbeiten, das Haus, die Kinder? Und dann schaffst du es auch noch dich nicht gehen zu lassen. Siehst immer aus wie aus dem Ei gepellt.“ „Ach“, antwortet Benno. „Das ist zwar alles stressig, vor allem weil der Jüngste jetzt noch immer Freitags zum Judo muss, und die Lina hat Probleme in Mathe…aber irgendwie muss es ja gehen, meine Frau arbeitet die ganze Zeit. Würde ich nicht in Teilzeit arbeiten können, kämen wir mit dem Geld nicht hin.“

So läuft es natürlich in den allermeisten Fällen nicht. Denn in der Realität fragt Karl-Heinz den Benno:“ Sag mal? Sonntag zum Fussball? Schalke spielt gegen Dortmund.“ Und Benno antwortet:“ Au ja! Mal wieder so’n richtiger Männertag, nach dieser Woche.“

Ob das Leben als Mann besser ist? Manchmal glaube ich das schon. Andererseits hat man es als Vater auch nicht immer leicht, denn wenn man sich um seine Kinder kümmern will, werden die Augen gerollt. Teilzeit? Homeoffice? Als Mann? Das geht nicht. Und weil in vielen Fällen dann der Hauptverdienst ausfallen würde,, ist der Mann gezwungen der Ernährer zu sein.

Inzwischen glaube ich, dass sich an der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf grundsätzlich etwas ändern muss. Für beide Geschlechter. Und mit 1,66€ Kindergelderhöhung in 6 Jahren ist das definitiv nicht getan.

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Auf Instagram haben mir noch ganz viele andere Mamas zu dem Thema geschrieben. Vielleicht hilft es vorerst ja auch zu wissen: Wir sind nicht allein. Wir sind viele die an der Vereinbarkeit vielleicht nicht scheitern, aber definitiv zu knabbern haben.

 

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Was sind eure größten Probleme Job und Kids unter einen Schutz und bringen? Schreibt es mir in die Kommentare. 💖 Ich schreibe grade an einem Artikel über Familie und Beruf und frage mich zunehmend, wie schafft ihr das eigentlich alle? 🤪 Ich muss immerhin nicht aus dem Haus (was Segen aber auch Fluch ist) und trotzdem kippe ich Abends nur noch um und bin todmüde. 😴 Mein größtes Problem bei der Vereinbarkeit ist definitiv der Schlafmangel und der Mangel an Arbeitszeit in der ich nicht fürchterlich müde bin. 😵 Was sind eure größten Probleme? Und wieso sagt die Gesellschaft eigentlich das man das alles schaffen muss. 🤡 Und warum muss man dabei alle anlügen und behaupten es wäre immer total easy? 🤥 Einmal alle Mutterschaftsbandbreiten durch: Habt ihr Tipps? (Werbung ohne Auftrag) @rougerepertoire @waseigenes @binebraendle @meinesvenja @gesundundmutter @leben_mit_littlemisslea @decorize_partystyling @mrsgreenhouse.de @paulsvera @mamaarbeitet ) . . . . #momblogger_de #mamablogger_de #alltagalsmama

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4 Comments

  1. Jessica

    Dieses Vereinbarkeitsding ist auch totaler Drahtseilakt. Ich wollte das alles so sehr allein schaffen. Ich hab mir mir gehadert und geweint. Aufgehört zu schlafen und wollte auf allen Ebenen gut sein und bin kläglich gescheitert. Ich musste mehr Betreuung schaffen, wieder beginnen zu schlafen (manchmal) und sehe, dass das Kind total gerne im Hort ist, denn da ist immer jemand zum Spielen…. immer wenn ich denke nun haben wir es, kommt das Leben… aber so ist das eben – wir knabbern alle an der Vereinbarkeit.

    1. Katarina

      Hi Jessica,

      ja da hast du total recht. Aber ich finde es immer gut wenn man sich eingesteht das man Hilfe braucht. Ich weiß gar nicht ob es den Zustand „geschafft“ gibt. Vielleicht wenn sie ausgezogen sind,

  2. Frederik

    Grundsätzlich ja ok… aber für mich zu viel Klischee in Deinem Beitrag. Ich habe die Arbeits-Welt und das Familienleben viel bunter, toleranter und vielfältiger als beschrieben kennen gelernt. Vielleicht hatte ich Glück… was mir aber immer wieder auffällt und worin ich mich dann auch selbst erwische: Wir lassen uns zu viel von anderen Meinungen/Bewertungen stressen und machen uns selbst total fertig.
    Wir sollten regelmässig einen Schritt zur Seite machen und gemeinsam mit Partner und Kindern überlegen was einem selbst wichtig ist und welche Zeit und Energie man gerade für die Erwartungen von Nachbarn, Freunden, Followern verschwendet.

  3. Carosis

    Mir wurde letztens vom Nachbarn, den ich nur flüchtig kenne, folgendes gesagt:
    „Wie, du gehst echt nach 1 Jahr Elternzeit wieder arbeiten? Und dein Kind muss in DEM Alter zur Tagesmutter? Ja dann wird es zu dir Tante sagen, wenn du es ja kaum noch siehst.“

    Danke für das verschlechtern meines eh schon schlechten Gewissens…
    Aber Mal ehrlich, ob er in der Generation „Mann geht Vollzeit arbeiten und Frau steht daheim“ mehr von seinen Kindern hatte?

    Wenn es doch leider nicht anders geht als mit „Fremdbetreuung“, dann doch nicht noch Salz in die Wunde streuen….

    Zumindest bin ich froh, dass ich (höchstwahrscheinlich, wenn der Eindruck nicht täuscht) eine sehr engagierte Betreuerin gefunden habe.

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