Es war dunkel im Zimmer

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Ich lag, das wusste ich. Ich hörte das Schnarchen der Menschen um mich rum. Neben mir schnaufte es ein wenig schneller als aus den anderen Richtungen. Es war der Dino, das hörte ich inzwischen leicht heraus.

Auf mir lagen mehrere Decken, schwer drückten sie mich in die Matratze. Obwohl es nicht warm war im Raum, schwitze ich fürchterlich. Dicke Rinnsale liefen meinen Körper hinab, obwohl es mich fröstelte. Ich versuchte, die Augen zu öffnen, doch die Lider waren schwer wie Blei. Mein Kopf dröhnte und jedes meiner Glieder brannte vor Schmerz. Nur mit Mühe gelang es mir, die Augen zu öffnen. Es war dunkel im Zimmer.

Mein Blick wanderte zuerst nach rechts, wo der Dino neben mir schnaufte, kurz hustete und dann wieder einschlief. Dann hörte ich ein schreckliches nicht enden wollendes Husten aus dem Nachbarzimmer. „Motti“ schoß es mir durch den Kopf. Sie hustete und hustete, so dass ich befürchtete, sie würde sich gleich erbrechen. Ich schwang meine Beine über den Bettrand und versuchte mich aufzurichten. Motti hustete noch immer. Auf wackligen Armen drückte ich mich hoch, der Dino jammerte. Ich saß, richtete mich auf, ignorierte die dröhnenden Kopfschmerzen und schleppte mich die dunkle Holztreppe hinab Richtung Speisekammer. Motti schlief wieder, zumindest hustete sie nicht mehr.

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Selbst im dunkeln Anbau wusste ich ,wo die Zwiebeln lagen. Genau dort hinten in einer der Holzkisten. Ich griff hinein, tastete die runden Knollengewächse ab und nahm zwei hinaus. Dann schlich ich in die Küche, schaltete das Licht ein und schaute auf die Uhr hoch oben an der Wand. 3:45 Uhr las ich vom Ziffernblatt ab. Dann drehte ich mich um zur Arbeitsplatte, öffnete die Besteckschublade und nahm ein scharfes Schneidemesser in die Hand. Dann schloss ich die Schublade wieder, und zerteilte die erste Zwiebel.

Beim Häuten der Zwiebel

Zuerst entfernte ich die trockene Zwiebelschale, dann zerteilte ich mit dem Küchenmesser die Zwiebel und schnitt sie in kleine Stücke. Ich holte zwei Schalen aus Plastik aus dem alten, braunen Küchenschrank welcher in die gegenüberliegende Wand der Küche eingelassen war. Die Türen quietschten ein bisschen beim Öffnen und Schließen. „Tagsüber ist das kaum zu hören“, dachte ich und schritt wieder zurück an die Arbeitsplatte. Dort angekommen schubste ich die Zwiebelstücke in die Schüsselchen. Immer erst eins in das eine und dann eins in die andere, wie kleine Regentropfen plumpsten sie in die Schüssel. Dann griff ich nach dem Messer, spülte es unter heißem Wasser ab und leget es zum trocknen in den Geschirrkorb. Mit beiden Händen erfasste ich erneut die Schüsseln. Beißender Zwiebelgeruch stieg mir in die Nase, meine Augen tränten, aber das taten sie vor den Zwiebeln schon. Ich drehte mich um, durchquerte die Küche und löschte mit dem Ellenbogen das Licht.  Dann stieg ich wieder hinauf, die Treppe knarzte ein wenig beim betreten der Stufen. Ich hoffte, dass der Dino nicht aufwachen würde.

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Leise durchschritt ich das dunkle Schlafzimmer, nur ein kleiner Spalt am Fenster lies Licht von der Straßenlaterne ins Zimmer fallen. Wenig, aber genug um nicht über Nini zu stolpern, welche es sich auf der Besuchermatratze gemütlich gemacht hatte. Ich stellte eine der beiden Schüsseln an ihr Kopfende. Dann ging ich ins Kinderzimmer, welches im schummrigen Licht des Nachtlichtes lag. Mir war schwummerig und mein Kopf dröhnte inzwischen mehr als vorher. Schnell stellte ich an Mottis Kopfende die andere Zwiebelschüssel. Da sie in einem Hochbett schläft, stellte ich die Schüssel ans Kopfende. Dann drehte ich mich um, und ging zum wiederholten Male zu Bett und fiel sofort wieder in einen Dämmerschlaf.

Als ich nach kurzer Zeit wieder erwachte, rief mir Motti etwas zu.

„Mama?“ rief Motti. „Jaa?“, antwortete ich. „Mama, ich bin gar nicht hungrig!“, rief sie entrüstet in meine Richtung. „Die Zwiebeln sind nicht zum essen, sondern gegen deinen Husten“, rief ich zurück. Motti schwieg kurz. Dann antwortete sie: „Aber muss das sein? Die brennen so komisch auf der Zunge.“

Es war dunkel im Zimmer, ich fühlte mich elendig, aber ich lachte. Dann erklärte ich Motti das Ding mit dem Husten und den Zwiebeln und das sie am nächsten Morgen nicht zur Schule, sondern zum Kinderarzt gehen würde.

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