Einen Fahrradhelm brauchen alle, klar. Aber auch Eltern? Echt? Hier meine Geschichte wie ich wieder zum Helm gekommen bin. #fahrradfahren

Die Wiederentdeckung des Rads

Lesezeit: 4 Minuten

Mein erstes Fahrrad war blau, meine ich zumindest. Und ich hatte einen neon gelben Fahrradhelm, so einen aus Styropor. Sehr unförmig, aber das habe ich als Kind nicht hinterfragt.

Dann kam die Pubertät und ich hinterfragte alles. Ausser natürlich den Fakt das ich allwissend war und Helme peinlich. Ausserdem schrecklich unpraktisch, denn wenn man einigermaßen gestylt in der Schule ankommen wollte, dann war ein Helm absolut mega fucking uncool.Ich meine mega uncool. Wer wollte denn eine Helmfrisur haben wie Lord Helmchen? Ganz genau! Niemand und ich schon mal gar nicht. Also wurde der Helm irgendwann in die Ecke gepfeffert und trotzig gerufen: DEN ZIEHE ICH NICHT MEHR AN!

Da es bis heute keine Helmpflicht in Deutschland gibt, hatte ich dann auch nie wieder einen Helm. Irgendwann hatte ich ein Auto, dann ein anderes Auto, nachdem das den Tüv nicht mehr schaffte, kaufte ich mir wieder ein Rad. Mitten in Hamburg kann man das machen. Das Rad war eine 20€ Gurke von Ebay Kleinanzeigen, verkehrstüchtig aber mehr auch nicht. Dieses Rad begleitete mich dann noch zwei Umzüge, und dann rostete es so vor sich hin. Mit 3 Babys hatte ich eh keine Zeit Rad zu fahren. Geschweige denn wie? Es gibt nichts das auf drei Kinder ausgelegt ist, ausser ein Lastenrad und für dieses waren sie noch zu klein. Außerdem hier wo wir wohnen, kommt man mit dem Rad nicht weit. Redete ich mir ein.

Dann, vor zwei Jahren, bekam Motti ihr Fahrrad zum Geburtstag. Sie übte und übte und fuhr mit eisernem Willen mitten durch den Regen. Ihr egal. Sie wollte Fahrradfahren können, also wurde das durchgezogen. Komme was wolle. Woher sie das genau hat, weiss ich nicht, aber es ist ein Wesenszug von ihr. Wenn sie etwas wirklich, wirklich also WIRKLICH will, dann zieht sie durch. So war es mit dem Radfahren, dem Schwimmen und ihrem Wissensdurst. Wenn sie etwas interessiert, dann interessiert es sie gleich maximal. Okay, das könnte sie doch von mir haben…

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Jedenfalls hat Motti nun schon länger ein Rad und fährt auch damit. Die Zwillinge hatten dann auch bald welche, aber bis zu diesen Osterferien war es ihnen doch nicht ganz geheuer und sie blieben lieber bei ihren Laufrädern. Bis sie nun kürzlich mit Oma übten. Sie übten einen ganzen Nachmittag lang, und dann konnten sie es auch. So sicher das man sich traut mit ihnen echte Strecken zu fahren. Nicht die Bundesstraße lang, aber auf echten Landstraßen immerhin.

Die Mädels radelten und ich hechelte hinterher. Irgendwann joggte ich und irgendwann brauchte ich Tage zum Beine ausruhen zwischen den „Rad“touren. Kurzum, ich brauchte ein Fahrrad.

Und wie das Schicksal manchmal so spielt, bekam ich eins geschenkt. Nicht neu, aber das ist mir auch ganz lieb so. Ökobilanz und so. Zumal das Fahrrad top in Schuss ist, gut gepflegt und sofort startklar.

Fast.

Ich brauchte noch einen Helm, denn auch wenn Marc keinen Helm hat und es ja auch keine Helmpflicht gibt, finde ich es schwierig den Mädels gegenüber zu Agumentieren wieso ihre Köpfe geschützt werden müssen und meiner nicht. Ich bin zwar ein Sturkopf, aber ich bin nicht unverwundbar. Also machte ich mich heute mit dem Dino im Schlepptau auf den Weg einen Helm zu kaufen.

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Ich stellte es mir recht vergnüglich vor. Ich setze Helme auf meinen Kopf und der Dino gluckst und lernt dabei das Wort: „Mamadusiehstoberaffensexyaus“. Beim Laden angekommen, klemmte ich mir den Dino unter den Arm. Er freute sich.

Ich vergaß es einen Wagen mitzunehmen, denn ich war gar nicht sicher ob der Laden der auch Räder verkauft auch Helme verkauft. Ja, manchmal sollte ich Kapitalismus noch einmal logisch durchdenken, aber… ich dachte halt:“ Falls sie nur Räder verkaufen, aber keine Helme, dann bin ich mit Dino unterm Arm schneller wieder im Auto als wenn ich mir noch so einen Einkaufswagen hole.“

GROSSER FEHLER.

Denn natürlich verkauft ein Laden in Mitteleuropa der halbwegs Geld verdienen will auch Helme.

Ich stand also vor dem Regal mit den Helmen und probierte einen nach dem anderen aus. Der Dino setzte sich auch Helme auf und sah dabei sehr niedlich aus. Dann machten wir schnell ein Foto.

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Etwa drei Nanosekunden nach diesem Foto, beschloss der Dino, dass heute nicht der Tag ist an dem er das Wort „Mamadusiehstoberaffensexyaus“ lernt. Er beschloss, das zu machen, was seine Schwestern nie gemacht haben. Worüber ich aber Mythen und Legenden gehört habe.

Er lief mir ständig weg!!!!!

Während ich im Spiegel meinen Eierkopf an Helm bewunderte, rannte der Dino gackernd ans Ende des laaaaaangen Regals. Dann bog er um die Ecke und wart nicht mehr gesehen. Ich warf schnaufend den Helm ins Regal und rannte. Tap tap tap tap tap. Um die Ecke. Ein rascher Blick nach Links offenbarte: Nichts. Blick nach rechts: Der Dino stand lachend vor dem Lego Regal und erfreute sich daran die Packungen aus dem Regal zu nehmen. Ich schnappte mir den kleinen Mann und zog ihn wieder zurück zum Helme Regal.

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Ich setzte ihn ab, ich setzte den Helm auf. Ich schaute ob der Helm…. der Dino setzte zum Sprint an. Ich rannte mit dem unförmigen Helm auf dem Kopf durch den Laden. Der Dino hatte etwa drei Dinolängen Vorsprung. Brachiosaurus Längen, nicht Microraptor Längen. Ich schaltete in den zweiten Mutti-Gang. Der Dino schaltete auf Velociraptor. Ich schaltete in „Jetzt habe ich aber wirklich keinen Bock mehr“ und mit einem Gepardenartigen Lauf und einem Football Sprung der vermutlich auch den Superbowl entschieden hätte, klammerte ich mich an den Dino. Dieser quiekte begeistert, super Spiel.

Nachdem wir auch wirklich den ganzen Laden unterhalten hatten, entschied ich mit einem klaren 5:4 in Sachen lauf-und-schnapp. Keuchend schleppte ich den protestierenden Dino zur Kasse. Mit Helm auf dem Kopf. Aber das war mir jetzt auch egal.

ICH HABE HELM GEKAUFT.

 

Acha, und geradelt bin ich mit den Mädels heute auch noch. Klar!

Einen Fahrradhelm brauchen alle, klar. Aber auch Eltern? Echt? Hier meine Geschichte wie ich wieder zum Helm gekommen bin. #fahrradfahren

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7 Comments

  1. Yvonne vB

    5:4 ist doch immerhin gewonnen…

    Supermegaaffenscharf geschrieben ;-)

    Bei uns ist es die Zweite von 3, die immer alles macht, was die anderen Beiden nicht tun: Bücher auseinander nehmen, Taschenlampen bis aufs Kleinste auseinander nehmen, Sachen im Laden aus dem Regal holen (bevorzugt im Kleinkindalter, auch wenn das heute manchmal noch so ist), weiterlaufen, wenn wir uns die Auslage im Schaufenster anschauen… :-)

    Irgendein Kind übernimmt einfach diesen Part… Scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. Oder so ähnlich.

    Supermegagut, dass Du trotz oder gerade wegen der vielen Hechtsprünge, Dich dennoch für einen passablen Helm entscheiden konntest. Oder haben sie Dir den aufgedrängt, weil „So, Sie haben nun den Helm schon eine halbe Stunde auf dem Kopf und sind damit schon mindestens 10 x gegen Regal xyz geflogen. Jetzt müssen Sie ihn kaufen!!!“

    Ganz liebe Grüße und jute Fahrt mit dem Drahtesel und dem neuesten Schrei auf Deinem Kopf!
    Dusiehstaberoberaffensexyausmitdemhammerhelm !!!!!

  2. Annette

    Hahahaha. Das kenne ich so gut… meiner ist auch nie da, wo er grade noch war.
    Und dank seiner Dinobegeisterung kann ich die Abstands- und Geschwindigkeitsangaben auch voll nachvollziehen. Man lernt ja mit.
    Falls jemand also Fragen zu Dinos oder Baustellen hast, meldet Euch. Feuerwehr und sonstige Einsatzkräfte kann ich auch ganz gut.

  3. Sonni

    Herrlich!
    ich bin total verliebt in deinen Dino, und kann mir bildlich vorstellen, was er für einen Spaß dabei hatte, sich von dir durch den Laden jagen zu lassen :-D
    Siehste, dann warst du ja schon mal aufgewärmt für die Farradtour mit den Mädels ;-)

  4. Anna

    Oh Gott, jaaaaaa! „Was seine Schwestern nie gemacht haben“… ich fühle mich gerade so, so, so verstanden! :D Hier laufen glücklicherweise immer massenhaft sehr besorgte RentnerInnen herum, also brauche ich meistens nur nach der stirnrunzelnd vorwurfsvollen Menschentraube Ausschau zu halten, die das Menschlein im Explorermodus erfolgreich eingekreist hat.

  5. Eva W

    Gut geschrieben, wirklich witzig. 😊
    Meine ist zwar beim Einkaufen nicht ständig weggelaufen (zumindest weiß ich es nicht anders), aber einmal (da war sie 2) hatte ich mich von ihr weggedreht und als ich mich wieder zurück drehte, hatte sie eine oder zwei Sektflaschen in ihrer Hand. 😳 da bin ich auch geflitzt.

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