Stille: Es wird Zeit

Lesezeit: 3 Minuten

Vor 4 Jahren fragte mich einmal eine Journalistin vom NDR „Wie lange ich DAS (bloggen) denn noch machen will.“

Ich antwortete ihr damals: „Bis mich keiner mehr lesen will“. Das habe ich damals mit fester Überzeugung aus tiefstem Herzen so gefühlt. Ich schreibe über mich, uns, die Familie bis es keiner mehr hören will.

Und jetzt? Jetzt 4 Jahre später, im Jahre 2020, das wohl für die meisten von uns das krasseste war was wir bisher erleben mussten, fühle ich mich leer-erzählt. Die Baby-Blogger-Blase ist vorbei. Das meine ich nicht wehmütig, denn ich trauere dem gar nicht hinterher. Es musste alles so kommen wie es gekommen ist, und jetzt sind wir als Familie so wie wir immer sein sollten. Nennt es Fügung, Schicksal, Bestimmung oder was auch immer. Wir sind „fertig“ wie man so schön sagt.

Irgendwann ist der letzte Schnuller geschnullert, die letzte Windel gewechselt und das letzte Mal Peppa Wutz geschaut. (ENDLICH!)

Das Bedeutet (für mich) aber auch: Keine Blogposts mehr über Einschlafrituale, den besten Schnuller in den Sommerfarben 2020 oder die auslaufsicherste Windel. Da gibt es jetzt neue Blogs für. Neue Instagram Kanäle, ach was bestimmt gibts da auch schon TikToker oder Twitcher für.

Nicht nur ich habe glücklicherweise wieder ein Jahr um die Sonne geschafft, nein auch das Blog ist wieder ein Jahr älter, theoretisch sind wir alle weiser und ohne es zu merken, ist der Sommerbabyclub 2012 inzwischen kurz hinter dem Verfallsdatum für Bloggerkarrieren angekommen.

Verrückt eigentlich, was in den letzten 10 Jahren alles passiert ist. Ich habe angefangen zu schreiben, da gab es noch Gästebücher auf den „Blogs“, die Blogger haben Texte geschrieben ohne ein einziges Foto darin.

Bestimmt gab es auch damals schon den ein oder anderen der seinen Content geplant hat, ich kannte niemanden davon. Man schrieb einfach so runter was einem so in den Kopf kam. Internet-Tagebuch.

Dann wurde es irgendwann wichtig 10.000 Fans auf Facebook zu haben. Das war das Ziel von allen die irgendwie mit dem Bloggen Geld verdienen wollten und kein SEO gemacht haben. 10.000 Fans auf Facebook. Wahnsinnig wichtig!

Die ersten PR Samples erreichten die Haushalte, ich weiss noch, wie ich einmal ein Parfum bekommen habe das Original nach Klostein roch. Zitronenklostein-Duft für den Hals. Ob ich da bitte drüber schreiben kann? Es würde doch so toll duften. Oder das kleine Start-Up, welches Po-Duschen an die Frau bringen wollte. Oder all die anderen kleinen StartUps die plötzlich aus dem Boden schossen. Vibrations-Eier für den geschundenen Mütter-Beckenboden. Oder anders ausgedrückt: Wenn man das Wort Vibrator anders verpackt, können wir es als Beckenbodentrainer verkaufen. Super! Aber das nur am Rande.

Irgendwann stellte ich fest, das es eigentlich niemanden mehr interessiert wie viele Facebook Fans du hast. Facebook war out. Instagram war jetzt in. Auf einem Blogger-Presseevent fragte mich einmal eine Firmeninhaberin für Kosmetikprodukte, wie viele Follower ich denn auf Instagram hätte? 5000 sagte ich. 5000 echte, atmende Menschen.

„Das ist ja nichts. Gar nichts! Nichts Wert! Du musst viel mehr haben! Wie eine dieser angesagten Jungschauspielerinnen, die hat viel mehr Follower.“

„Nunja“, antwortete ich, „Die ist aber erst Sechtzehn und war grade in einem großen Kinofilm. Das ist doch was ganz anderes.“

„Egal! SO. Musst du sein. Dann wird das was.“

SO also. Ich war Ende Zwanzig und hatte drei Kinder.

Ich sollte sein wie ein Teeniemädchen, welches die Schule noch nicht beendet hat. Weil der mehr Menschen folgen.

Sei anders. Jemand anderes. Sei Jemand.

Sei nicht Katarina,  Offred.

Sei OfInstagram. OfMarketing. OfKapital. OfPopular. OfIrgendwer.

Rückblickend finde ich das gruselige Kackscheisse. Wieso habe ich dieser Frau geglaubt? Wieso habe ich so vielen anderen (überwiegend Frauen) aus der Branche geglaubt?

Jeder verdammten Freundin hätte ich gesagt das das Unfug ist. Jeder Freundin hätte ich den Kopf gewaschen.

Nur mir selbst nicht.

Zeit, mir mal den Kopf zu waschen.

———

Dankeschön fürs Lesen!

Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar unter diesem Blogpost hinterlässt. Gerne auch per Kommentar-o-mat!
Wenn Ihr einen Beitrag besonders mögt, aber keine Zeit zum Kommentieren habt, schenkt ihm doch einfach ein Herz!
Blogprinzessin ist der Blog mit nordischem Schnack. Ich berichte hier, ohne mich selbst zu Ernst zu nehmen, über meinen Alltag als Mama von 4 Kindern zwischen 7 und 2 Jahren. Virtuell bin ich zu finden auf Twitter, Instagram, Facebook und auf Pinterest. Erfahre mehr über mich

One Comment

  1. Jess

    OH ja, so war das damals…. und hey, ich hab immer schon gesagt: „wir sind mehr als unsere Zahlen“ und das denke ich auch noch heute! So viel mehr! Du bist mehr!

    Knutsch Dich!

Schreibe einen Kommentar

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du brauchst nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken