Ich bin wütend

Lesezeit: 3 Minuten

Gestern konnte ich nicht bloggen, weil ich so wütend war. Und weil ich mich nicht traute diesen Text auf dem Blog online zu stellen. Denn natürlich macht man sich mit einer Positionierung angreifbar. Demnach erwarte ich auch gar nicht, dass mir jeder zustimmt (wäre aber schön).

Dazu kommt, so scheint mir, dass man sich als Blogger mit einer solchen Positionierung eventuell nicht beliebt macht bei den Marketingabteilungen dieser Welt. Den Geldgebern also.
ABER ganz ehrlich, ich möchte nicht immer die Schere im Kopf ansetzen, nur weil es irgendwem nicht passen könnte oder weil ich dadurch vielleicht weniger Geld verdienen könnte.

Daher möchte ich den Text nun doch veröffentlichen, den ich gestern auch schon auf Facebook in meiner Gruppe schrieb.

Ich möchte gerne bloggen, aber im Moment bin ich zu wütend.

Denn, ich kann es einfach nicht fassen, dass 1.4 Millionen Menschen in Deutschland für den Klimaschutz protestieren und die aktuellen Politiker sich darauf ein Ei braten. Auf der heißen Motorhaube der SUVs.

Ich bin wütend, weil niemand mehr weiss was man noch tun kann. Wählen, klar, aber wer garantiert einem denn das die die jetzt von Umweltschutz reden, das auch umsetzen? Protestieren, ja auch klar, aber wie grade die vergangene Woche gezeigt hat ist das ja offenbar egal. „Jaja“.

Ich als Mutter von 4 Kindern fühle mich da verschaukelt.

Ich bin wütend, weil sich so viele Menschen daran abarbeiten, dass all dies eine Schwedische Jugendliche auf den Tisch gebracht hat. Sie motzen, dass es ein Mädchen ist, dann dass sie erst 16 Jahre alt ist, dann das sie Autistin ist und als nächstes das sie ja bloß zur Schule gehen soll, dann würde sie das große Ganze ja auch verstehen. Das wieso man nichts machen kann.

LIES AUCH
SSW 23+1 Leben üben

Ich bin wütend, weil Schülerinnen und Schülern aberkannt wird eine Meinung zu haben. Aberkannt wird, dass sie ab einem gewissen Alter abschätzen können ob der verpasste Unterricht ihren Abschluss gefährdet oder nicht. Ganz ehrlich. Grade in der Oberstufe hatten wir Freitags nicht durchgehend Sternstunden der Pädagogik.

Ich bin wütend, weil die Schülerinnen und Schüler „erstmal weiter zur Schule gehen sollen, bevor sie protestieren“.

Ich bin wütend, weil ihnen unterstellt wird dass sie schwänzen.

Ist der Gedanke das sie es nicht tun so unwahrscheinlich? Und würden die, welche jetzt schwänzen, nicht eh schwänzen? Egal ob sie eine Klimademo als Ausrede haben oder nicht…

Ich bin wütend, weil ich selber natürlich nicht perfekt bin.

Ich bin wütend, weil einem das ökologisch Sinnvolle kein bisschen leicht gemacht wird. Unverpackt in einem dörflichen Geschäft einkaufen? GEHT NICHT. Das gibt es hier bei uns gar nicht. Und 40km für eine Strecke zum nächsten Unverpackt Laden ist eben total bescheuert. Markt ist aber nur 1x die Woche, und mein Klopapier bekomme ich da auch nicht.

Und ja, ich bin auch wütend, weil das Klima schützenswert ist und dann (wieder einmal) rauskommt das die Autokonzerne Abgaswerte manipulieren wo sie nur können.

Der Bürger denkt er kauft was gutes, und dabei ist es das eben nicht. Und wieso? Weil „man“ selbst Geld verdienen will. Möglichst viel. Vermutlich viel viel mehr als die meisten von uns.

LIES AUCH
Warm up with the family

Ich bin wütend, weil man als Bürger gerne mehr möchte, es aber einfach nicht immer praktikabel ist.

Wieso gibt es eine Pendlerpauschale (also die Erhöhung) aber ein Bahnticket für den Besuch in der nächsten größeren Gemeinde kostet trotzdem so viel? Etwa 3€ hin 3€ zurück,. 6€ Die mich mein Einkauf mehr kostet. Abgesehen vom Zeitfaktor, denn der Bus fährt nur etwa jede Stunde. (Kann auch alle 40 Minuten sein).

So viel MEHR dafür das ich doch WENIGER die Umwelt belasten will.

Per Auto sind es umgerechnet vielleicht 0,50€ und ich muss nirgends im Freien stehen und keine Tüten schleppen.

Ich bin so wütend, warum muss ich meinen Plastikmüll in Plastiksäcke schmeissen, wenn es hier bei uns auch eine Tonne gibt? Wisst ihr was Irrsinn ist? Das man mit der Tonne trotzdem den Müll in Säcke stecken muss, die man dann in die Tonne legt. VÖLLIG BEKLOPPT!

Ich bin wütend, weil ich es gerne besser machen würde, mich aber so machtlos fühle.

Mir geht es wie Sarah, deren Artikel ich euch heute einfach empfehle.

14 Tage Minimalismus, was dieser Urlaub mit mir gemacht hat.

———

Dankeschön fürs Lesen!

Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar unter diesem Blogpost hinterlässt. Gerne auch per Kommentaromat!

Wenn Ihr einen Beitrag besonders mögt, aber keine Zeit zum Kommentieren habt, schenkt ihm doch einfach ein Herz!

5 Comments

  1. Julia

    Sonst stille Leserin, aber: JA! Verdammt nochmal! Ich versuche meinen Kindern zu vermitteln, dass Demokratie und Wahlen etwas sehr, sehr wertvolles sind, aber langsam gehen mir die Argumente dafür aus, wenn ich sehe, wie lustlos dort Entscheidungen getroffen werden. Maßnahmen vorgeben? – Bloß nicht!

  2. Yvonne vB

    Ich finde es absolut traurig, dass die fff auf ein Kind reduziert wird. Gut die Bewegung wurde mit ihr gestartet. Und ja, manchmal empfinde ich auch dass sie sehr gehypt wird und sich daran aufgehangen wird, was Du schon geschrieben hast…

    Definitiv ist es wichtig sich diese Lügenbarone anzuschauen. Die nächsten Wahlen stehen auch bald wieder an. So kann man jedenfalls nicht punkten. Und sich für nix feiern, ist auch nicht das, wofür die Bürger sie gewählt haben.
    Ich finde Wahlen immer noch ganz wichtig und je weniger Menschen dort nun noch hingehen, um so krasser wird unsere Regierung werden… Also bitte nicht Wahl verdrossen werden…

    Umweltschutz geht uns alle an! Jeder sollte sich Gedanken machen, wo und wie etwas bei sich persönlich verändert werden kann. Vielleicht sind das erst nur wenige Sachen. Später kommt dann noch etwas anderes hinzu…
    So war und ist es bei uns. Wir fingen an uns über die Haltung der Tiere Gedanken zu machen. Also reduzierten wir unseren Fleischkonsum und entdeckten tolle Alternativen.
    Unnütze Autofahrten versuchen wir zu vermeiden.
    Mittlerweile versuchen wir auf verpacktes Obst und Gemüse zu verzichten… sprich ich kaufe nur noch „loses“ Obst und Gemüse ein. Nach und nach verändern. Das kann man sich dann besser leisten, als alles auf einmal umzustellen. :-)

    Danke für das Laut werden. Ich bin da ganz bei Dir!

    Liebe Grüße.

  3. Ich in der Großstadt

    Ich bin eigentlich aus ganz anderen Gründen auf deinem Blog gelandet (beim Surfen über Kliniktaschen, bei uns kommt bald das nächste Kind :)), wollte dir aber hier ein großes Danke für diesen Beitrag da lassen – die unverschämten Kommentare („sind ja bloß Kinder, sollen mal lieber zur Schule gehen, dann würden sie die Notwendigkeit, mit unserer Lebensweise diesen Planeten gründlich zu zerstören, besser verstehen“ – na gut, diese Formulierung stammt wohl von mir) machen mich auch wütend. Ich finde, wir sollten das viel öfter und viel öffentlicher sagen. Danke, dass du damit trotz Bedenken angefangen hast.

Schreibe einen Kommentar

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du brauchst nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken