Kleinkind auf Gymnastikball

Tag 338: Krank

Lesezeit: 3 Minuten

Ich hatte es die letzten Tage nicht erwähnt, weil ich hoffte es ginge vorbei. Aber nö.

In der Nacht von gestern auf heute wurde ich bis halb vier wach gehalten und beschäftigt, weil die Zwillinge und der Dino im Wechsel vor Hustenattacken nicht schlafen konnten. Die Folge war, dass alle an dieser durchwachten Nacht beteiligten heute zu Hause blieben.

Also im speziellen die Zwillinge. Der Dino ist zwar weit für sein Alter, aber die Schulpflicht hat für ihn noch nicht an die Tür geklopft. Für ihn blieb alles wie immer.

Ich war allerdings zunächst so durch, dass ich zu dieser Entscheidung erstmal Marc befragte, was er meinte: „zur Schule“, oder „eher nicht“?

Ja, ich bin erwachsen und geimpft. Und ich kann sowas eigentlich normalerweise selbst entscheiden. Nach viel zu wenig Schlaf konnte ich das heute früh  aber nicht.

Bis wo ist es „Nur Husten“ ,und ab wann ist es „Upsi, Lungenentzündung, warum kommen sie erst jetzt?“

Vom „Vielleicht ist es ansteckend, achwas, wir haben es ja auch nicht selbst im Keller gezüchtet, klar ist es ansteckend“ mal abgesehen.

Das Hauptargument als Eltern ist ja meist ein „Aber später im Beruf bleibt man ja auch nicht wegen ein bisschen Husten zu Hause“.

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So denke ich auch.

Aber ist das gut? Sollten wir das wirklich so machen?

Sollte man nicht eigentlich mit Krankheiten viel bereitwilliger zu Hause bleiben, statt da draußen potenziell andere Menschen anzustecken?

Was ist mit verschlepptem Zeugs, das man monatelang ignoriert und dann ist es auf einmal wirklich richtig schlimm?

Wir haben doch nur dieses eine Leben, und diesen einen Körper. Sollten wir da nicht gut mit ihm umgehen?

Ich finde schon.

Also blieben die Zwillinge heute Vormittag zu Hause. Mittags ging es nach vorheriger telefonischer Terminabsprache zum Kinderarzt. Mal abklären lassen, eventuell Medizin verschreiben lassen, so mein Plan.

Wir mussten etwas warten. Leider war ich wirklich nicht auf das vorbereitet, was ich im Wartezimmer mitbekam.

Ein Elternteil mit Kind fing plötzlich an, das Kind minutenlang anzumotzen.

„Deine Gesundheit ist wichtiger als Freizeitspass“. „Wenn du jetzt nicht aufhörst zu heulen, dann…“ „Ich melde dich bei „Freizeitspass“ ab. Hör auf zu heulen.“

Inklusive Androhung an das Kind, es vor dem ganzen Wartezimmer offensichtlich zu demütigen.

Die Sprechstundenhilfen bekamen das nicht so richtig mit, der Arzt sowieso nicht.

Ich saß daneben und hörte wie das Kind etwa zwanzig Minuten lang immer wieder bitterlich weinte. Das Elternteil kam immer wieder auf das Thema zurück. „Stell dich nicht so an, du bist doch kein Baby mehr“ etc. Das Kind weinte bitterlich.

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An einem Punkt dachte ich: „Wenn du deine Drohung (hier nicht näher beschrieben was genau) das Kind so zu demütigen wahrmachst, dann sag ich was.“

Dazu kam es dann zum Glück nicht. Das Elternteil hätte mich vermutlich in Grund und Boden gefaltet.

Denn: Ja, vielleicht war das einfach nur ein kackomatischer giantischer Scheisstag für dieses Elternteil. 

Vielleicht dachte das Elternteil später im Auto schon „BOAH ES TUT MIR SOOO LEID MEIN SCHATZ“.

Vielleicht gab es sogar einen Grund so auszuteilen (für mich nicht ersichtlich, aber es steht mir nicht zu darüber zu urteilen, es sind fremde Leute gewesen).

Aber, was, wenn das keine einmalige Ausnahme war? Was, wenn so was in schöner monatlicher Regelmäßigkeit passiert? Was,  wenn das Kind täglich verbal so auf die Mütze bekommt? Täglich so verzweifelt weint?

Was macht man als Außenstehender, mit so einer Situation konfrontiert? „Lieber einmal zu viel hingeschaut, als zu wenig“, heißt es oft. Bei eindeutiger Gewalt ist das auch ein klar zu befolgendes Prinzip, finde ich. Aber wo verläuft die Grenze, bei der man sich (bildlich gesprochen) vor ein Kind wirft, das von seinen Eltern ausgeschimpft wird?

Ich bin mir unsicher. Denke aber nach dem heutigen Tag weiter darüber nach.

Was meint ihr dazu?

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Mama, ich habe Hunger!

———

Dankeschön fürs Lesen!

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3 Comments

  1. Anna Marianne

    Liebe Superkat,
    Leider habe ich kein Kind – und daher bin ich prinzipiell nicht befugt, mich einzumischen. Bei offener Gewalt ist der Fall klar, darüber müssen wir nicht diskutieren.
    ABER: psychisch kann ja auch eine Menge schief gehen. Ich bin mal dazwischen gegangen, weil ich eine Situation beobachtet hatte, die das Kind nicht erklären konnte – und die Mutter von falschen Vorstellungen ausging, als sie ihre Schimpftirade begann. Das fand die Mutter zwar uncool – aber im Endeffekt hat es eine Situation aufgeklärt.
    Es ist sicher sehr individuell verschieden – aber ich frage mich, ob man nicht so was sagen kann wie : „Entschuldigung, Sie kennen das bestimmt selbst – aber mein Kind wird nachher fragen, warum Sie so böse mit Ihrem Kind sprechen. Und im Moment weiß ich garnicht, was ich da antworten sollte. “
    Klar, löst alles Diskussionen aus. Aber Empathie ist eben keine bequeme Sache.
    Ich finde, Du machst das mit solchen Beiträgen sehr richtig – denn Du sensibilisiert uns alle.

  2. Yasmin

    Uff schwieriges Thema!! Mittlerweile habe ich es mir abgewöhnt was zu sagen. Außer bei. Offensichtlicher Gewalt. Diese emotionale Gewalt wie beschrieben, geschieht so oft und ist schade. Aber ich kann da nicht sachlich diskutieren. Ich werde getriggert und emotional umgeworfen. Damit helfe ich niemandem, daher lasse ich es mittlerweile…

  3. Sarah

    Huhu Katalein,

    Erstmal mein Beileid zu eurem Bazillenstand Zuhause und gute Besserung an alle Beteiligten <3

    Seitdem ich mit Familien und in der Jugendhilfe arbeite, fallen mir diese Situationen schwer. Zum Einen, weil ich um die Folgen weiß, was passiert, wenn Kinder auf Dauer einem solchen Klima ausgesetzt sind. Seitdem ich aber selbst Mama bin, weiß ich auch, dass wir nicht vorschnell urteilen sollten (wie du ja auch schriebst). Durch meine Weiterbildung jetzt kann ich allerdings anhand der Reaktion und Feinzeichen der Kinder schon ganz gut beurteilen, ob es immer so ist oder eine Ausnahme.

    Was ich in solchen Situationen tue (im Wartezimmer klappt das echt am Besten): Ich spreche die Mama an und verwickle sie in ein Gespräch. Das lockert die Stimmung etwas auf und sie entspannt sich.

    Fakt ist ja: es reicht nicht um die Polizei zu rufen und wenn du diesen Eltern mit dem erhobenen Zeigefinger kommst, dann hören sie erst recht nicht zu oder ändern was. Und wenn du das Kind einfach einpackst und bei dir aufnehmen willst, bekommst du Ärger mit der Polizei ;)

    Das Beste also was du tun kannst ist: der Mutter auf Augenhöhe zu begegnen. Ob sie es annimmt, hast du nicht in der Hand. Aber du musst nicht mit einem Schuldgefühl zurück bleiben.
    Was du außerdem noch tun kannst ist dem Kind einen liebevollen, fürsorglichen Blick schenken (vermittelt ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und ist ein Selbstbewusstseinsboost), vielleicht ein Taschentuch anbieten oder die Mama fragen, ob er einen Keks darf o.ä. So muss es nicht völlig allein in dieser Situation bleiben.

    Ich hoffe das hilft dir ein bisschen fürs nächste Mal.

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