Kekse backen mit Kindern

Wo ist denn der Dezember hin?

Lesezeit: 5 Minuten

Eigentlich würde ich gerne davon schreiben wie ich kleine besinnliche und ruhige Inseln im Dezember geschaffen habe.

Fakt ist aber: Ich habe keine kleine besinnliche und ruhige Inseln geschaffen, sondern ich habe versucht möglichst irgendwie Weihnachtsstimmung einziehen zu lassen, obwohl mir eigentlich ganz häufig alles zu viel war.

Zu viel Corona, zu viel Kindergeschrei, zu viel Schulkram der zu Hause erledigt werden sollte, zu viel liegengebliebener Haushalt und vor allem zu viel Müdigkeit in diesem Jahr.

Das Jahr fing doof an und steigerte sich dann eigentlich nur noch in seiner Doofheit. Einige gute Lichtblicke mal ausgenommen, aber im großen und ganzen ist wohl das Beste an 2020 (bisher): Das wir das Jahr überlebt haben.

Faul wie die Waschbären saß hier allerdings niemand auf der Couch, nicht mal während des Lockdowns. Kaum hatten wir den Dino im August in den Kindergarten eingewöhnt, machte dieser auch schon wieder zu. Natürlich lag etwas mehr als ein paar Wochen zwischen diesen Ereignissen, aber gefühlt war der Kindergarten drei Wochen auf und dann wieder zu.

Hätte ich vor 2020 gesagt: Hey ich könnte mir gut vorstellen meine Kinder zu Hause zu unterrichten (Grüße an die Journalistin die mich vor Jahren quasi zur  Mutter der Kindergartenfrei Bewegung ernannt hat. Ich lache immer noch.), kann ich dieses Jahr sagen: NEIN. Ich möchte keine Lehrerin sein, zumindest nicht wenn das bedeutet, dass ich 4 Kinder gleichzeitig jonglieren muss, während auf 4 Kanälen 350 Arbeitsaufträge eintrudeln die doch alle bitte bitte abzuarbeiten sind.

August

Das ganze Schuljahr ist eigentlich Grütze, mal im Ernst. Im Lockdown im Frühjahr, konnten die Zwillinge noch nicht mal alle Buchstaben (Da waren sie ja auch noch in der 1. Klasse), dann kamen die Sommerferien (große Schwimmbadvermissung!), dann Schulbeginn im Herbst. Bei Motti ballerte der Lehrplan pro Schulwoche bis zu den Herbstferien mindestens eine Klassenarbeit, einen Test oder sonst irgendwas rein. Das erste Mal mit Noten.

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Ohne gemeinsames üben für diese Tests, wäre mein Kind grandios baden gegangen. Aber da mag ich nicht meckern, denn der Übergang* kommt eh irgendwann, und hart ist er wohl auch immer. In ein „Na das musst du noch üben“ kann man eben mehr reininterpretieren als in NOTE: 5

Während Deutschland darüber diskutiert ob die Bundesregierung von Bill Gates finanziert wird, mehr und mehr Menschen glauben das ein Koch mehr Ahnung hat von Viren als…. nunja ein echter Virologe beispielsweise und Politiker lieber an die nächste Bundestagswahl denken, als an Infektionssschutz (gut das unterstelle ich jetzt nur) ,  währenddessen entwickeln sich die Lehrer:innen in diesem Land zu Lüftungsprofis und die Kinder zu Maske auf-Maske ab-Händewasch-Profis. Sie halten tapfer alle Coronaregeln ein, auch die vergleichsweise irgendwie Absurden.

Trotzdem steigen und steigen die Infektionszahlen. Aber die Schulen sind sicher, sagt die Politik und ob das so stimmt wissen wohl selbst die Politiker nicht. Besorgte Eltern fragen sich, was denn eigentlich aus den Konzepten für digitalem Unterricht, Hybridunterricht (auch so ein Wort das vor einem Jahr noch niemand kannte) und „Homeschooling“ geworden ist. Man hatte ja Zeit über den Sommer, mal über das eine oder andere nachzudenken.

Die Antwort der Kultusministerkonferenzen ist eindeutig: Der Plan heisst lüften.

Währenddessen tanzen Motti, Nini und Wawi den Corona-Tanz in der Schule, und der Dino wundert sich, wieso Mama und Papa ihn gar nicht mehr bis zum Gruppenraum bringen dürfen.

Kinder beim programmieren

Oktober

Eines Tages im Oktober steht der Dino mit mir an der Kasse im Supermarkt und zeigt auf einen Mann mit „Pimmel-Nase“. „Maske auf, Mama. Der muss die Maske aufsetzen!“

Ich nicke. Ich lese die Zahlen und ICH glaube nicht daran, dass die Zahlen zu weit nach oben korrigiert sind. Ich hoffe eher das sie nicht zu viele „weglassen“. Leute die eigentlich hätten getestet werden müssen.  Oder Leute die sagen „Man das war aber eine starke Grippe!“

November

Im November überlege ich, wie sich die Regierung das mit dem „Lockdown Light“ eigentlich denkt. Alles zu, ausser die Schulen, den Supermärkten und eigentlich ist alles wie immer. Nur ohne Kultur und Eventbranche. Die Supermärkte voll wie immer, die Straßen voll wie immer, und die Ubahn in der Hauptstadt (so berichten es meine Schwiegereltern) voll wie immer.

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Lockdown light, bremst also das exponentielle Wachstum, aber den Virus bremst es nicht.

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Dezember

Und dann kommt es, nach einer flehenden Ansprache der Kanzlerin, dann doch zu den Schul- und Kitaschliessungen. am 11.12.2020 kommt die Ansage, dass man sich doch bitte genau überlegen soll, ob die Kinder in der nächsten Woche noch in die Schule gehen müssen. Wenn möglich solle man doch die Kinder zu Hause betreuen und „Homeschoolen“. Endlich wird von der blödsinnigen Präsenzpflicht abgesehen.

Ich melde also alle Kinder aus allen Einrichtungen ab. Der Dino hätte zwar noch gehen können (okay jetzt ist auch der Kindergarten zu), aber ich finde es ist irgendwie beschruppt ihn zu schicken, während die anderen wegen „Pandemie“ zu Hause bleiben. Außerdem vermute ich, dass jede Erzieherin sich freut, wenn sie einen Kontakt weniger auf ihrer Gefahrenliste hat.

Kekse backen mit Kindern

Die Nachrichten melden weiter nichts neues, außer neuen, gruseligen Höchstständen. Das die Schulen und Kindergärten im Januar, so wie bisher angekündigt aufmachen glaube ich nicht. Denn morgen ist Weihnachten und auch wenn ich glaube das sich viele Menschen an alle möglichen Auflagen halten, halten sich scheinbar genug Menschen nicht an die Auflagen. Vielleicht denken sie, sie hätten gute Gründe. Vielleicht haben sie die wirklich. Aber dem Virus ist das alles egal.

Der Virus macht keine Bögen um Schulen, keine Bögen um Kindergärten und ganz gewiss denkt der Virus nicht. Aber wenn er könnte, dann würde er bei jedem Menschentreffen denken: Super! Ein neuer Wirt! Und nicht: Oh ist ja Weihnachten.

So funktioniert Biologie nämlich nicht.

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Vielleicht ist das ja mit einer der Gründe, wieso das alles so unbegreiflich ist für viele. Karneval – da muss ich hin, das darf nicht ausfallen. Hafengeburtstag – nicht ohne mich. Oder eben Weihnachtsgottesdienst (am liebsten mit singen, wie immer halt).

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Alles „Events“  die der Mensch bestimmt hat, eingebaut hat als feste Konstanten in seinem Leben. Teils schon seit Jahrhunderten. Die  scheinbar festen Konstanten die nun wackeln. Weil sich die Biologie nicht daran hält und es ihr egal ist.

So ähnlich haben sich wohl die Erbauer der Titanic gefühlt. Unsinkbar! Die Natur dem Menschen untertan machen und dann tragisch am Eisberg scheitern.

Bitte, lasst das unverzichtbare Weihnachten und die unverzichtbaren Böller an Silvester und die unverzichtbaren Alkoholgelage, nicht unser Eisberg sein.

Aber was seichtes noch: Motti hätte eigentlich am 17.12 in der Schule ein Gedicht aufsagen müssen, dass sie auswendig gelernt hat. Da in dem Moment aber der Präsenzunterricht schon ausgesetzt war, dachten wir beide das wir uns von ein bisschen Pandemie nicht unterkriegen lassen.

Wie macht man einen Gedichtvortrag 2020? Natürlich trägt man das Gedicht trotzdem vor, und läd es dann als Video hoch. Den Link zum runterladen haben wir an die Lehrkraft geschickt. Vielleicht wurde es ja gesehen. Wir werden es sicherlich erfahren, im Januar. Wenn die Schule wieder anfängt.

 

Weihnachten 2020

Ich wünsche euch allen ein Frohes Fest und bleibt bitte so gut es geht daheim. Damit wir auch 2021 von einander lesen können.

 

*Ich meine natürlich den Übergang von „keine Noten“ zu „Noten“.

 

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